Mit meinem eigenen Sprit durch Deutschland – klimafreundlich reisen

Dieser Tage erreichte uns die Zuschrift einer fleißigen Leserin unseres Blogs mit einem Beitrag zum klimafreundlichen Reisen. Dieser hat uns so sehr begeistert, dass wir ihn gerne mit Euch teilen möchten…. 

Ein kleiner Stopp am Strand von Eckernförde. Foto: Anna S.

Anna S. aus Tübingen, 22 Jahre, schrieb uns:

Als ich als Reisende nach dem Abitur neun Monate in Kroatien verbrachte, wurde ich immer wieder nach meiner Heimat Deutschland gefragt. Die meisten verbanden Deutschland mit Bayern, Lederhosen, Dirndl, Weißwurst und Sauerkraut. Dieses eintönige Bild enttäuschte mich, doch konnte ich damals noch kein anderes Bild zeichnen. Mein wenig aussagekräftiges Argument: Deutschland ist viel mehr als Bayern. Oben an der Küste verstehe ich auch niemanden – Deutschlands Regionen sind vielfältig. Was bringt es mir, durch die Welt zu reisen, andere Länder kennen zu lernen, wenn ich so wenig Ahnung von den Regionen um mich herum habe. Mein Entschluss war gefasst: Ich wollte durch Deutschland reisen, hautnah erleben. Doch wie reisen? Mein Bücherregal ist voll von Reiseberichten mit alternativen Transportmitteln wie dem Segelboot, dem Fahrrad, zu Fuß. Kleine und große Abenteuer. Ich wollte mein eigenes Abenteuer vor der Haustür – mit dem Fahrrad durch Deutschland reisen!

Im vergangenen Sommer schaffte es diese Idee endlich Wirklichkeit zu werden. Ich baute bei meinem alten Stadtfahrrad den Gepäckträger ab und montierte ihn an mein jetziges Mountainbike – mein Ein-und-alles! Übernachten wollte ich bei Freunden, Familie, mit dem Zelt (ein Ein-Frau-Zelt – meine neuste Errungenschaft, super leicht und kompakt) auf Campingplätzen und bei netten Menschen auf der Couch. 

Meine Reiseroute verband Menschen und Orte, die ich besuchen wollte. Lüneburg, Hamburg, Eckernförde, Kiel, Lübeck, Braunschweig, Hildesheim, Weimar. Dazwischen immer mal wieder Übernachtungen, da die Hauptpunkte zu weit auseinander lagen. Fast drei Wochen war ich unterwegs, machte halt bei Freunden und Verwandten, bei denen ich einige Tage blieb.

Ich traf super nette, interessante Menschen und lernte neue Regionen kennen. Bei meinem ersten Versuch zu campen, legte ich einen Zwischenhalt auf dem Weg zur Ostseeküste ein. In einer kleinen Ortschaft baute ich bei strömenden Regen mein Zelt auf und versuchte mich im Baderaum des Campingplatzes zu wärmen. Wenig später lag ich eingekuschelt und frierend in meinem klammen Schlafsack, als eine Stimme von draußen fragte, ob ich einen Tee haben wolle. Ein nettes Ehepaar aus den Niederlanden lud mich in ihren Wagen ein, ich bekam Tee und wir unterhielten uns eine Stunde lang. In Eckernförde lebten Kindheitserinnerungen wieder auf, in Lübeck lernte ich einen bisher wenig bekannten Teil meiner Familie kennen und entdeckte das tolle Europäische Hansemuseum (-> kann ich nur empfehlen!). Auch wenn ich einige Tage klitschnass stundenlang auf Feldwegen fuhr, am Kanal 80km gegen den Gegenwind kämpfte (leider reiste ich erst im September, als das Wetter bereits in herbstliche Töne umschlug) und nach drei Wochen nicht mehr allein Fahrrad fahren wollte – war diese Reise total cool, lehrreich, spannend!

Reisen mit dem Rad, der eigene Motor sein zu können und alles, was man braucht, selbst zu transportieren, ist ein großartiges Gefühl und macht innerlich ein bisschen stolz. Auch die Sorge vieler, mit der Bahn in den Norden zu kommen, das ganze Gepäck (ein Fahrrad, zwei Satteltaschen, oben drauf ein Zelt und eine Isomatte, und eine kleine Tasche am Lenker) aus den Zügen raus und rein zu bugsieren – alles kein Problem! Denn überall gibt es nette Menschen, die helfen, sich über Gespräche freuen oder bei Verspätung mit einem Karten spielen. Und ja es gibt auch sehr hilfsbereite Bahnmitarbeiter!

Fahrrad reisen – macht stolz, fit und ist klimafreundlich, denn das einzige was verbrannt wird, sind die eignen Kalorien! Die Regionen um einen herum entdecken – ist sehr spannend! Und ein weiterer Pluspunkt: man spart Sprit- oder Fahrtkosten! Wenn man dann auch noch bei Menschen auf der Couch übernachtet (über die Website Couchsurfing), spart man nicht nur Übernachtungskosten, sondern trifft auch noch einzigartige Menschen, wunderbare Begegnungen. 

Mein Fahrrad war davor und ist noch viel mehr danach mein Lieblingstransportmittel. Außer, wenn es auf Berggipfel geht: Da bevorzuge ich meine Füße und lasse den Drahtesel unten stehen. Wenn es mal schneller gehen muss, liebe ich es, im Zug zu sitzen, arbeiten zu können und die meist „Wlan-freie Zeit“ nutzen zu können. Oder einfach mal aus dem Fenster zu schauen und die Landschaft an einem vorbei flitzen zu sehen, ohne dabei auf die Straße und den Verkehr achten zu müssen. Und sind wir doch mal ehrlich: manchmal dienen die Fahrzeiten der öffentlichen Verkehrsmittel als gute Begründung, einem schlechten Date zu entkommen oder man trifft nette Menschen und lustige Begegnungen im Bus. Meine Meinung: Reduziert die Verpackungen um Euch herum und fahrt mit dem Fahrrad, dem Bus, dem Zug oder geht zu Fuß. 

Man sieht mehr, trifft mehr und erlebt mehr! 

Links: Träumend durch die Luft fliegen in Hamburg – noch ganz am Anfang meiner Tour. Rechts: Endlich in Lübeck – nach einem ganzen Tag im Regen und dann auch noch verfahren, so dass ich 10 km extra gemacht habe. Fotos: Anna S.