{"id":1795,"date":"2019-08-09T21:22:17","date_gmt":"2019-08-09T21:22:17","guid":{"rendered":"http:\/\/klimaandmore.de\/?p=1795"},"modified":"2020-03-01T14:16:15","modified_gmt":"2020-03-01T14:16:15","slug":"wie-einig-ist-sich-denn-die-wissenschaft-zum-thema-mensch-gemachter-klimawandel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/klimaandmore.de\/?p=1795","title":{"rendered":"Wie einig ist sich denn die Wissenschaft zum Thema Mensch-gemachter Klimawandel?"},"content":{"rendered":"\n<p>Heute wollen wir mal ein auf den ersten Blick sehr trockenes Thema besprechen. Trotzdem ist es extrem wichtig. Immer wieder liest man mal vereinzelt in der Zeitung, dass auch andere Faktoren als die Treibhausgase f\u00fcr den Klimawandel verantwortlich sein k\u00f6nnten, die Sonne oder Vulkane zum Beispiel. Die Wissenschaft hingegen sagt, der Klimawandel sei Menschen-gemacht. Aber wie einig ist sich denn \u00fcberhaupt die Wissenschaft? Heute wollen wir auf diese Frage hier eingehen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Um die aufgeworfene Frage zu beantworten, m\u00fcssen wir uns zun\u00e4chst damit besch\u00e4ftigen, wie Wissenschaft Erkenntnisse erzielt und diese allgemein zug\u00e4nglich gemacht werden. In dem von uns relevanten Teil der Wissenschaft, der Naturwissenschaften inklusive der Klimaforschung, erzielen Wissenschaftler durch Beobachtungen, Messungen und Experimente sowie mathematische Modelle neue Einblicke in die Klimavorg\u00e4nge. R\u00fcckschl\u00fcsse, die sich daraus ergeben, m\u00fcssen dabei auch bereits vorhandene Erkenntnisse ber\u00fccksichtigen und allesamt in sich konsistent sein. Um ihrer Erkenntnisse der wissenschaftlichen Gemeinschaft zug\u00e4nglich zu machen, ver\u00f6ffentlichen Wissenschaftler diese in Form von Publikationen. Dies erfolgt in Fachjournalen und unterliegt einer strengen Qualit\u00e4tskontrolle. So werden Manuskripte vor Ver\u00f6ffentlichung durch mehrere, unabh\u00e4ngige Gutachter bewertet und h\u00e4ufig in mehreren Runden der Korrektur und unter Einbeziehung weiterer Kontrollexperimente verbessert. Erst nach diesem sogenannten\u00a0<em>Peer Review<\/em>-Verfahren werden die wissenschaftlichen Erkenntnisse ver\u00f6ffentlicht. Insbesondere der Begutachtungsprozess unterscheidet eine\u00a0<strong>wissenschaftliche Publikation<\/strong>  von einem Zeitungsartikel oder einer reinen Internetpublikation. Wenn man Wissenschaftler also zu ihrer Meinung zu einer bestimmten Thematik fragt, dann beruht diese auf wissenschaftlichen Ver\u00f6ffentlichungen, die nach wissenschaftlichen Kriterien erarbeitet und begutachtet wurden. Und jede f\u00fcr sich leistet einen Beitrag zu unserer Erkenntnis \u00fcber den Klimawandel.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Einigkeit der Wissenschaft hinsichtlich des durch den Menschen verursachten Klimawandels wurde selbst auch in verschiedenen Studien untersucht. Wir wollen hier zun\u00e4chst eine Standardpublikation aus dem Jahr <a href=\"https:\/\/iopscience.iop.org\/article\/10.1088\/1748-9326\/8\/2\/024024\/meta\">2013<\/a> betrachten. In dieser Studie wurden ca. 12.000 Publikationen untersucht, die sich mit dem Klimawandel besch\u00e4ftigen und zwischen 1991 und 2011 ver\u00f6ffentlicht wurden. Bei einer genaueren Betrachtung dieser wissenschaftlichen Ver\u00f6ffentlichungen zeigte sich, dass nur 33,6 % dieser Artikel die Ursachen des Klimawandels untersuchten. Die 66,4 % verbliebenen Studien analysierten andere Themen zum Klimawandel und machten demnach keine Aussagen zu dessen Ursachen. Von diesen 33,6 % Arbeiten kamen<strong>mehr als 97 %<\/strong>  zu dem Schluss, dass der Mensch f\u00fcr den Klimawandel verantwortlich ist und zwar durch den Aussto\u00df von Treibhausgasen.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Interessanterweise werden diese Zahlen von Skeptikern des Mensch-gemachten Klimawandels als Gegenargument gegen den breiten Konsens in der Wissenschaft verwendet. Hier lautet die Behauptung schlicht, dass lediglich 33,6 % der Wissenschaftler den Menschen als Ursache des Klimawandels sehen w\u00fcrden \u2013 ungeachtet der Tatsache, dass sich nur 33,6 % der untersuchten Arbeiten \u00fcberhaupt die Ursachen des Klimawandels im Fokus hatten.&nbsp;Es wird also eine Aussage aufgestellt, die sich schlicht nicht aus dem genannten Artikel ableiten l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir wollen dies an einem einfachen\u00a0<strong>Gedankenspiel<\/strong>  deutlich machen. Nehmen wir hypothetisch an, in einer Untersuchung wurden 10.000 Studien zum Thema Lungenkrebs betrachtet. Nehmen wir weiter hypothetisch an, dass 6.000 dieser Publikationen das Verhalten und die Beschaffenheit von Tumorzellen der Lunge beschreiben. Diese 6.000 Publikationen machen allerdings keine Aussage \u00fcber die Ursache des Lungenkrebses, weil diese Fragestellung schlichtweg nicht untersucht wurde. 4.000 Publikationen hingegen besch\u00e4ftigen sich mit den Ursachen des Lungenkrebses und von diesen wiederum unterst\u00fctzen 3.880 (also 97 %) die Aussage, dass Rauchen zu Lungenkrebs f\u00fchren kann. 120 Publikationen hingegen k\u00f6nnen sich dieser Aussage nicht anschlie\u00dfen. Ohne jeden Zweifel w\u00fcrde man bei Betrachtung dieser Zahlen zu der Aussage kommen, dass die \u00fcberwiegende Anzahl der Wissenschaftler sich dar\u00fcber einig ist, dass Rauchen Lungenkrebs verursacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Kommen wir nach diesem Gedankenspiel zum Thema Lungenkrebs zur\u00fcck zur Studie \u00fcber die Ursachen des Klimawandels. Damit bleibt die Aussage bestehen, dass die \u00fcberwiegende Anzahl aller Publikationen (n\u00e4mlich 97 %), die sich mit den Ursachen des Klimawandels besch\u00e4ftigen, zu der Aussage kommen, dass dieser durch die Emission von Treibhausgasen durch den Menschen ausgel\u00f6st wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Dar\u00fcber hinaus muss man festhalten, dass die genannte Studie aus dem Jahr 2013 nicht die einzige Untersuchung dieser Fragestellung ist. Eine Untersuchung aus dem Jahr <a href=\"https:\/\/science.sciencemag.org\/content\/306\/5702\/1686.long\">2004<\/a> ergab, dass keine einzige der untersuchten und nach wissenschaftlichen Kriterien durchgef\u00fchrte und publizierte Studie den breiten Konsens der Wissenschaft zum Klimawandel bestreitet. Auch gibt es Untersuchungen, die Wissenschaftler direkt nach ihrer Meinung fragen. Interessant ist in diesem Zusammenhang beispielsweise eine Studie aus dem Jahr <a href=\"https:\/\/agupubs.onlinelibrary.wiley.com\/doi\/abs\/10.1029\/2009EO030002\">2009<\/a>, bei der etwas mehr als 3.000 Geowissenschaftler befragt wurden. Diese Studie ist insofern hervorzuheben, als dass die befragten Wissenschaftler in unterschiedliche Gruppen eingeteilt wurden. Solche Geowissenschaftler, die sich mit Fragen des Klimas besch\u00e4ftigt haben (also Klimawissenschaftler) und auch in diesem Bereich publiziert haben, gaben zu 97 % an, dass der Klimawandel Mensch-gemacht ist. Geowissenschaflter, die nicht in diesem Gebiet arbeiten, best\u00e4tigen diese Aussage zu 77 %, und Geowissenschaftler, die in einem privatwirtschaftlichen Unternehmen wie beispielsweise in einem Unternehmen der \u00d6l- oder Gasindustrie arbeiteten, best\u00e4tigten die Aussage lediglich zu 47 %. So zeigt auch diese Studie, dass vor allem wirtschaftlich unabh\u00e4ngige Klimaexperten die Aussage zum Mensch-gemachten Klimawandel zu fast 100 % unterst\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine neuere Arbeit aus dem Jahr <a href=\"https:\/\/iopscience.iop.org\/article\/10.1088\/1748-9326\/11\/4\/048002\">2016<\/a>, die sich auch mit der Kritik an den Arbeiten zum Mensch-gemachten Klimawandel besch\u00e4ftigt, ist hier zu finden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Abschlie\u00dfend sei erw\u00e4hnt, dass es auch keine einzige nationale Akademie der Wissenschaften gibt, die den Konsens der Wissenschaft zu den Ursachen des aktuellen Klimawandels bestreitet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute wollen wir mal ein auf den ersten Blick sehr trockenes Thema besprechen. Trotzdem ist es extrem wichtig. 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