{"id":1835,"date":"2019-08-25T15:19:23","date_gmt":"2019-08-25T15:19:23","guid":{"rendered":"http:\/\/klimaandmore.de\/?p=1835"},"modified":"2020-02-13T13:15:38","modified_gmt":"2020-02-13T13:15:38","slug":"der-regenwald-brennt-und-was-hat-das-mit-uns-zu-tun","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/klimaandmore.de\/?p=1835","title":{"rendered":"Der Regenwald brennt \u2013 und was hat das mit uns zu tun?"},"content":{"rendered":"\n<p>Dieser Tage \u00fcberschlagen sich die Meldungen in den Zeitungen und Onlinemedien. Gro\u00dfe Fl\u00e4chen des Amazonas-Regenwaldes brennen. Dabei handelt es sich um Feuer, die mit gro\u00dfer Wahrscheinlichkeit durch Brandrodungen f\u00fcr neue Weide- und Ackerfl\u00e4chen entstanden sind. Der Amazonas-Regenwald wird auch als <strong>gr\u00fcne Lunge der Welt<\/strong>  bezeichnet und zeichnet sich dar\u00fcber hinaus durch seine besonders <strong>hohe Artenvielfalt<\/strong>  aus. Aufgrund dessen ist der Erhalt dieser W\u00e4lder f\u00fcr die ganze Welt von gro\u00dfer Wichtigkeit und der Aufschrei ob dieser Br\u00e4nde gro\u00df.&nbsp;Aber wer ist eigentlich f\u00fcr die Zerst\u00f6rung des Regenwalds verantwortlich (wenn wir mal von den eigentlichen Brandstiftern absehen) und was kann man auf individueller Ebene dagegen tun? Damit wollen wir uns heute besch\u00e4ftigen \u2026<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"606\" height=\"299\" src=\"https:\/\/klimaandmore.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Regenwald.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1838\" srcset=\"https:\/\/klimaandmore.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Regenwald.png 606w, https:\/\/klimaandmore.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Regenwald-300x148.png 300w\" sizes=\"(max-width: 606px) 100vw, 606px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Die Einzigartigkeit des Regenwaldes am Amazonas in Brasilien und seinen umgebenden L\u00e4ndern wurde erst k\u00fcrzlich von <a href=\"https:\/\/www.greenpeace.de\/sites\/www.greenpeace.de\/files\/AmazonSoya_0.pdf\">Greenpeace<\/a> hervorgehoben. Allein in dieser Region sind etwa 10% der S\u00e4ugetierarten und 15% aller bekannten Pflanzenarten der Erde zu finden. Wenn wir also \u00fcber <strong>Biodiversit\u00e4t<\/strong>  reden, hier ist sie besonders ausgepr\u00e4gt. Zudem stellt der Regenwald einen gro\u00dfen <strong>CO<\/strong><sub><strong>2<\/strong><\/sub><strong>-Speicher<\/strong>  dar, indem er Kohlenstoff in Pflanzen und B\u00f6den einbaut.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das <strong>Muster der Vernichtung<\/strong>  des Regenwaldes in Brasilien und seinen Nachbarl\u00e4ndern, insbesondere Argentinien, Paraguay und Bolivien ist immer das gleiche. Zuerst werden aus dem Regenwald die gro\u00dfen und wertvollen B\u00e4ume entnommen und beispielsweise f\u00fcr die M\u00f6belindustrie verwendet. Auch in manchen unserer Grill-Holzkohlen befindet sich \u00fcbrigens Holz aus dem <a href=\"https:\/\/www.regenwald.org\/news\/8938\/holzkohle-auf-dem-grill-geht-der-tropenwald-in-flammen-auf\">Regenwald<\/a>. Die dann minderqualitativen Fl\u00e4chen werden durch Brandrodung in Weideland \u00fcberf\u00fchrt, sodass auf diesen Fl\u00e4chen f\u00fcr einige Jahre Tiere weiden. Der \u00fcberwiegende Teil des Fleisches dieser Tiere geht in den Export, gleiches gilt f\u00fcr das Leder. Anschlie\u00dfend werden diese Weidefl\u00e4chen in Ackerfl\u00e4che \u00fcberf\u00fchrt, sodass folglich im gro\u00dfen Ma\u00dfstab insbesondere Sojabohnen produziert werden. Aus den Sojabohnen kann Soja\u00f6l gewonnen werden, zur\u00fcck bleibt Sojaschrot. Auch Baumplantagen werden angelegt, beispielsweise zur Herstellung von Zellstoff, ein wichtiger Rohstoff f\u00fcr die Papierproduktion. Teilweise wird das Anlegen diese Plantagen als Wiederaufforstung ausgegeben, wor\u00fcber wir bereits <a href=\"https:\/\/klimaandmore.de\/?p=1598\">berichteten<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Zuletzt hat Brasilien <a href=\"http:\/\/www.faszination-regenwald.de\/info-center\/zerstoerung\/soja.htm\">96 Millionen Tonnen <\/a>Sojabohnen pro Jahr produziert. Ein Gro\u00dfteil davon wurde als Bohnen oder Schrot nach China exportiert, etwa ein Drittel ging allerdings auch in die Europ\u00e4ische Union. Der Export von Fleisch- und Sojaprodukten \u2013 wobei hierunter insbesondere die Futtermittel fallen &#8211; ist also eine der Triebfedern f\u00fcr das Abholzen des Regenwaldes in Brasilien. \u00c4hnliches gilt \u00fcbrigens auch f\u00fcr die Abholzung der Regenw\u00e4lder in Asien, zum Beispiel in Indonesien, allerdings ist hier das \u00fcberwiegende Exportprodukt das Palm\u00f6l. Den Einsatz von Palm\u00f6l werden wir in einem extra Blogbeitrag nochmal gesondert betrachten.<\/p>\n\n\n\n<p>Und damit kommen wir <strong>zu unserem Beitrag<\/strong> zur Abholzung der Regenw\u00e4lder in S\u00fcdamerika. Allein Deutschland hat in 2016 ca. <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/sojaanbau-in-suedamerika-entwaldung-fuer-deutsches-tierfutter-a-1199151.html)\">6,5 Millionen Tonnen <\/a>Sojabohnen und Sojaschrot aus S\u00fcdamerika importiert. Die Lieferketten wurden erst zuletzt in einem <a href=\"http:\/\/www.mightyearth.org\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/ME_DEFORESTATION_Germany_German_R5.pdf\">Report<\/a> dargestellt, der sich der Sojaproduktion in Argentinien und Paraguay gewidmet hat. Ohne diese Zufuhr von <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/fleischproduktion-in-deutschland-was-sie-ueber-massentierhaltung-wissen-sollten-1.1899021-0\">Soja aus S\u00fcdamerika<\/a> w\u00e4re die Massentierhaltung in Deutschland kaum vorstellbar, was auch eine Studie des <a href=\"https:\/\/www.wwf.de\/fileadmin\/fm-wwf\/Publikationen-PDF\/WWF-Studie_Sojaboom_in_deutschen_Staellen.pdf\">WWF<\/a> zeigt. Nur so ist die Produktion g\u00fcnstigen Fleisches nicht nur f\u00fcr den deutschen Markt, sondern auch f\u00fcr den Export deutschen Fleisches in das Ausland m\u00f6glich. Und nur so kann der stark gewachsene Appetit der Deutschen auf Fleisch- und Wurstwaren zu annehmbaren Preisen befriedigt werden. So essen die Deutschen im Schnitt etwas mehr <a href=\"https:\/\/www.wwf.de\/themen-projekte\/landwirtschaft\/ernaehrung-konsum\/fleisch\/soja-als-futtermittel\/\">1 kg Fleisch- und Wurstwaren<\/a> pro Woche und damit doppelt soviel wie vor 100 Jahren. <\/p>\n\n\n\n<p>Nach einer Studie des <a href=\"https:\/\/www.wwf.de\/fileadmin\/fm-wwf\/Publikationen-PDF\/WWF-Studie_Alternativen_zu_importierter_Soja_in_der_Milchviehfuetterung_Kurzfassung.pdf\">WWF<\/a> wird vermutlich ein geringer Anteil von ca. 6% des importierten Sojas, ca. 0,4 Millionen Tonnen pro Jahr, auch in der Milchwirtschaft als Tierfutter verwendet.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man jetzt also fragt, was <strong>jeder von uns tun kann, um den Regenwald zu sch\u00fctzen<\/strong>, so ist an erster Stelle die Reduktion oder gar der Verzicht tierischer Produkte wie Fleisch- und Wurstwaren aus Massentierhaltung aufzuf\u00fchren. Wer nicht auf Fleisch- oder Milchprodukte verzichten m\u00f6chte, sollte auf zertifizierte Bio-Ware zur\u00fcckgreifen. Informationen zu den dabei verwendeten G\u00fctesiegeln findet ihr hier in einer \u00dcbersicht des <a href=\"https:\/\/www.wwf.de\/fileadmin\/fm-wwf\/Publikationen-PDF\/WWF-Vergleich_Guetesiegel_Fleisch.pdf\">WWF<\/a>, in welcher neben anderen Kriterien auch die eingesetzten Futtermittel festgesetzt sind. Importierte Futtermittel zur Produktion der Bio-Lebensmittel sind dabei je nach Label ausgeschlossen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Abschlie\u00dfend noch ein Wort zur <strong>veganen Ern\u00e4hrung<\/strong>, die auch auf Sojaprodukten, wie beispielsweise Tofu, beruhen kann. Ist denn nun auch durch eine vegane Ern\u00e4hrung der Regenwald bedroht? Diese Frage ist eher zu verneinen. Erstens, weil f\u00fcr die Futtermittelproduktion in S\u00fcdamerika zumeist <a href=\"https:\/\/albert-schweitzer-stiftung.de\/aktuell\/warum-sojawurst-nicht-dem-regenwald-schadet\">gentechnisch ver\u00e4ndertes Soja<\/a> verwendet wird, welches bei uns nicht als Lebensmittel zugelassen ist. Zweitens wird das f\u00fcr Lebensmittel verwendete Soja zumeist in <a href=\"https:\/\/www.abenteuer-regenwald.de\/bedrohungen\/fleisch\/soja-und-regenwald\">S\u00fcdeuropa<\/a> angebaut.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Besinnung auf alte und l\u00e4ngst vergangene Rituale k\u00f6nnte ein Ausweg aus dem Regenwald-Abholz-Dilemma sein: Lediglich einmal die Woche liegt Fleisch oder Wurst auf dem Teller. Wenn alleine in Deutschland jede und jeder sich daran orientieren w\u00fcrde (wenn man nicht sowieso schon Vegetarier oder gar Veganer ist), w\u00e4re dem Urwald in S\u00fcdamerika und damit unserer aller Zukunft schon sehr geholfen.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Literatur<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<p>WWF: <a href=\"https:\/\/www.wwf.de\/fileadmin\/fm-wwf\/Publikationen-PDF\/WWF-Studie_Sojaboom_in_deutschen_Staellen.pdf\">Sojaboom in deutschen St\u00e4llen<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>WWF: <a href=\"https:\/\/www.wwf.de\/fileadmin\/fm-wwf\/Publikationen-PDF\/WWF-Studie_Alternativen_zu_importierter_Soja_in_der_Milchviehfuetterung_Kurzfassung.pdf\">Soja Futterreport Milchvieh<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Greenpeace: <a href=\"https:\/\/www.greenpeace.de\/sites\/www.greenpeace.de\/files\/AmazonSoya_0.pdf\">Eating up the Amazonas<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>WWF: <a href=\"https:\/\/www.wwf.de\/fileadmin\/fm-wwf\/Publikationen-PDF\/Hintergrundpapier_Soja.pdf\">Soja &#8211; Wunderbohne mit Nebenwirkungen<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>WWF: <a href=\"https:\/\/www.wwf.de\/fileadmin\/fm-wwf\/Publikationen-PDF\/20140312_WWF_TheGrowthOfSoy_Impacts_Solutions.pdf\">The growth of soy &#8211; impacts and solutions<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Anmerkung<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Text wurde am 13.2.2020 aktualisiert. In einer vorherigen Version wurde der Anteil von Soja am Tierfutter zu hoch angegeben. Dies wurde korrigiert. An der grunds\u00e4tzlichen Aussage des Textes hat sich dadurch nichts ge\u00e4ndert. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Tage \u00fcberschlagen sich die Meldungen in den Zeitungen und Onlinemedien. Gro\u00dfe Fl\u00e4chen des Amazonas-Regenwaldes brennen. Dabei handelt es sich um Feuer, die mit gro\u00dfer Wahrscheinlichkeit durch Brandrodungen f\u00fcr neue Weide- und Ackerfl\u00e4chen entstanden sind. 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