{"id":2280,"date":"2019-12-07T21:19:36","date_gmt":"2019-12-07T21:19:36","guid":{"rendered":"http:\/\/klimaandmore.de\/?p=2280"},"modified":"2019-12-07T21:19:41","modified_gmt":"2019-12-07T21:19:41","slug":"wenn-wir-die-apfelblueten-dereinst-selbst-bestaeuben-muessen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/klimaandmore.de\/?p=2280","title":{"rendered":"Wenn wir die Apfelbl\u00fcten dereinst selbst best\u00e4uben m\u00fcssen &#8230;"},"content":{"rendered":"\n<p>&#8230;und die V\u00f6gel verschwunden sind, werden wir feststellen, warum Insekten auch f\u00fcr uns Menschen so wichtig sind. Aktuell beobachten wir einen R\u00fcckgang der Insekten auf breiter Front. Tats\u00e4chlich gibt es schon heute Regionen auf dieser Erde, beispielsweise in China, in denen Obstb\u00e4ume durch Menschenhand best\u00e4ubt werden m\u00fcssen, weil die Insekten dazu nicht mehr da sind. Grund genug, dass wir uns nochmal mit der Thematik <strong>rund um das Insektensterben<\/strong> besch\u00e4ftigen&#8230;..<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter is-resized\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/klimaandmore.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Insekten_comic.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-2286\" width=\"396\" height=\"172\" srcset=\"https:\/\/klimaandmore.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Insekten_comic.png 754w, https:\/\/klimaandmore.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Insekten_comic-300x131.png 300w\" sizes=\"(max-width: 396px) 100vw, 396px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Die Gruppe der Insekten bildet die artenreichste Klasse der Tiere auf unserem Planeten. Sehr wahrscheinlich sind uns viele Insekten, z.B. im tropischen Regenwald, noch nicht einmal bekannt. Verschiedene wissenschaftliche Studien legen nunmehr nahe, dass derzeit nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen L\u00e4ndern, ein massiver R\u00fcckgang der Insekten zu beobachten ist. Damit ist nicht nur ein Verlust von Insektenarten gemeint, sondern auch ein massiver R\u00fcckgang in der Anzahl der Insekten &#8211; die Wissenschaft spricht hier auch von einem R\u00fcckgang der Biomasse. Wir haben dar\u00fcber schon mal in einem \u00e4lteren <a href=\"https:\/\/klimaandmore.de\/?p=1236\">Beitrag<\/a> berichtet. Wie stark ist nun der R\u00fcckgang der Insekten in Deutschland? Hier wird in der Diskussion h\u00e4ufig auf diese <a href=\"https:\/\/journals.plos.org\/plosone\/article?id=10.1371\/journal.pone.0185809\">Studie<\/a> verwiesen, die darlegt, dass \u00fcber die letzten knapp 30 Jahre ein R\u00fcckgang von 75% der Biomasse fliegender Insekten zu verzeichnen ist &#8211; wohlgemerkt in Schutzgebieten.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir wollen uns heute auf eine erst in diesem Jahr publizierte <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41586-019-1684-3\">Studie<\/a> von Wissenschaftler\/innen der TU M\u00fcnchen fokussieren. Hier wurden  zwischen 2008 bis 2017 verschiedene Habitate in verschiedenen Bundesl\u00e4ndern (Baden-W\u00fcrttemberg, Th\u00fcringen und Brandenburg) untersucht. An insgesamt ca. 290 Stellen wurden nach regelm\u00e4\u00dfig und nach einem standardisierten Verfahren Insekten gesammelt, bestimmt und gez\u00e4hlt. Untersucht wurden dabei verschiedene Fl\u00e4chen wie Wiesen, Weiden, forstwirtschaftlich genutzte Nadelw\u00e4lder sowie W\u00e4lder in Schutzgebieten. Ein weiterer wichtiger Punkt: Die Nutzung der Fl\u00e4che war sowohl vor dem Start, als auch w\u00e4hrend der Untersuchung identisch und es wurden dort keine Sch\u00e4dlingsbek\u00e4mpfungsmittel wie Pestizide ausgebracht.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Die Datenanalyse ergab in allen untersuchten Habitaten einen massiven R\u00fcckgang in der Biomasse, der Anzahl der verschiedenen Arten und der Anzahl der Tiere. Besonders stark war der Biomassereduktion auf Wiesen mit 67%. Auch in W\u00e4ldern wurde ein Verlust der Insektenbiomasse von 41% innerhalb von 10 Jahren verzeichnet.<\/p>\n\n\n\n<p>Was sind die\u00a0<strong>Ursachen<\/strong>\u00a0<strong>f\u00fcr dieses massive Insektensterben?<\/strong> Hier werden in der Literatur verschiedene Gr\u00fcnde und Mechanismen diskutiert, die jeweils unabh\u00e4ngig, aber insbesondere in ihrer Kombination einen negativen Einfluss auf die Insektenpopulation haben. An erster Stelle ist hier die <strong>Landwirtschaft<\/strong>\u00a0zu nennen. Durch Flurbereinigung und immer gr\u00f6\u00dfere Felder, die gro\u00dffl\u00e4chig als Monokultur angelegt sind, kommt es zur Vernichtung von \u00f6kologischen Nischen. Hecken zwischen oder Randstreifen an den Feldern nahmen und nehmen kontinuierlich ab, wodurch den Insekten ihre Lebensgrundlage genommen wird. Das M\u00e4hen von Wiesen oder auch das Bearbeiten der \u00c4cker hat ebenso einen Einfluss.<\/p>\n\n\n\n<p>Dar\u00fcber hinaus kommt es durch den Einsatz von Agrarchemikalien wie Pestiziden zu weiteren Verlusten. Die bereits zitierte Studie von der TU M\u00fcnchen bringt hier weiter Licht ins Dunkel.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Schaut man sich diese Studie n\u00e4mlich im Detail an, finden sich interessante Unterschiede zwischen den untersuchten Habitaten. In unmittelbarer N\u00e4he zu landwirtschaftlich genutzten Fl\u00e4chen waren insbesondere jene Insektenarten betroffen, die keine gr\u00f6\u00dferen Strecken \u00fcberwinden k\u00f6nnen und damit den landwirtschaftlichen Einfl\u00fcssen schutzlos ausgeliefert sind. Umgekehrt waren in W\u00e4ldern jene Arten betroffen, die gro\u00dfe Strecken \u00fcberwinden k\u00f6nnen und somit in Kontakt zu landwirtschaftlich genutzten Fl\u00e4chen sein k\u00f6nnen. So deckt diese Studie eine besondere Rolle der intensiven Landwirtschaft in diesem Zusammenhang auf. Die Autoren der Studie weisen in einer <a href=\"https:\/\/www.tum.de\/nc\/die-tum\/aktuelles\/pressemitteilungen\/details\/35768\/\">Pressemitteilung<\/a> darauf hin, dass Einzelma\u00dfnahmen nicht ausreichen, um das Insektensterben zu stoppen, sondern Handlungen auf regionaler und nationaler Ebene abgestimmt werden m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was m\u00fcssen wir als Gesellschaft nun tun, was k\u00f6nnen wir als Einzelpersonen tun?<\/strong> Dringend notwendig ist ein Richtungswechsel in der Agrarpolitik, die darauf abzielt, den Einsatz von Pestiziden zu reduzieren. Den Landwirten muss die M\u00f6glichkeit er\u00f6ffnet werden, Landschafts- und Artenpflege zu betreiben ohne auf Einkommen zu verzichten. Daher m\u00fcssten staatliche Subventionen f\u00fcr die Landwirtschaft an entsprechende Bedingungen gekoppelt werden. Das Einrichten von Bl\u00fchstreifen sollte zum Standard werden, Eingriffe in die \u00f6kologischen Nischen m\u00fcssen minimiert werden. So weist ein Landwirt in einem Interview in der <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/rhein-main\/bauer-kritisiert-geringe-wertschaetzung-gegenueber-dem-beruf-16516065.html\">FAZ<\/a> vom 7.12.2019 darauf hin, dass er Bl\u00fchstreifen nach der Bl\u00fcte und Erreichen einer maximalen Standzeit zu vernichten habe, um ein Mindestma\u00df landwirtschaftlicher T\u00e4tigkeit nachzuweisen und so f\u00fcr EU Subventionen weiter f\u00f6rderf\u00e4hig zu bleiben. Dadurch jedoch zerst\u00f6rt er das Habitat der Insekten immer wieder, die im Boden lebenden Insekten werden abget\u00f6tet und am Ende hat der ehemalige Bl\u00fchstreifen keinerlei \u00f6kologischen Wert.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber auch wir als Individuen haben gro\u00dfe Einflussm\u00f6glichkeiten. Der Kauf zertifizierter und regionaler Bioware st\u00e4rkt jene landwirtschaftlichen Betriebe, die sich eine umweltschonende Bewirtschaftung zum Ziel gesetzt haben. F\u00fcr jeden Einzelnen von uns mag das nur ein kleiner Beitrag zur L\u00f6sung der Gesamtproblematik darstellen, aber in der Summe k\u00f6nnen wir auf diese Weise mitwirken, wie Lebensmittel produziert werden. Durch den Kauf regionaler und saisonaler Produkte leisten wir aufgrund kurzer Transportwege und kurze Lagerungszeiten auch einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Damit viele Landwirte ihre Betriebe umstellen k\u00f6nnen, muss die Nachfrage von uns Konsumenten weiter steigen&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Weitere Literatur zum Thema Insektensterben<\/strong>: <\/p>\n\n\n\n<p>Andreas H. Segerer, Eva Rosenkranz: Das gro\u00dfe Insektensterben. Was es bedeutet und was wir jetzt tun m\u00fcssen, Oekom Verlag<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8230;und die V\u00f6gel verschwunden sind, werden wir feststellen, warum Insekten auch f\u00fcr uns Menschen so wichtig sind. Aktuell beobachten wir einen R\u00fcckgang der Insekten auf breiter Front. 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