{"id":2438,"date":"2019-12-31T17:24:50","date_gmt":"2019-12-31T17:24:50","guid":{"rendered":"http:\/\/klimaandmore.de\/?p=2438"},"modified":"2020-01-13T00:20:13","modified_gmt":"2020-01-13T00:20:13","slug":"warum-wir-zu-wenig-fuer-den-klimaschutz-tun","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/klimaandmore.de\/?p=2438","title":{"rendered":"Warum wir zu wenig f\u00fcr den Klimaschutz tun&#8230;.."},"content":{"rendered":"\n<p>Das <strong>Neue Jahr<\/strong> steht vor der T\u00fcr, f\u00fcr viele von uns mit <strong>guten Vors\u00e4tzen<\/strong>. Und vielleicht hat sich die eine oder der andere vorgenommen, sich umweltbewusster zu verhalten? Hoffentlich klappt es! Heute wollen wir allerdings zur\u00fcckblicken und uns mit der Frage besch\u00e4ftigen, warum wir eigentlich nicht schon viel fr\u00fcher begonnen haben, uns aktiv f\u00fcr den Klimaschutz einzusetzen. Vieles von den Fakten ist ja eigentlich schon lange bekannt, vielleicht finden wir Antworten in der Umwelt- oder Klimapsychologie&#8230;&#8230;?<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter is-resized\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/klimaandmore.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Psycho_1-1024x298.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-2441\" width=\"518\" height=\"151\" srcset=\"https:\/\/klimaandmore.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Psycho_1-1024x298.png 1024w, https:\/\/klimaandmore.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Psycho_1-300x87.png 300w, https:\/\/klimaandmore.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Psycho_1-768x224.png 768w\" sizes=\"(max-width: 518px) 100vw, 518px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Auch das&nbsp;<strong>Umweltbundesamt<\/strong>&nbsp;besch\u00e4ftigt sich schon seit geraumer Zeit mit dieser Frage und hat in 2018 die Ergebnisse einer repr\u00e4sentativen Umfrage in Deutschland <a href=\"https:\/\/www.umweltbundesamt.de\/sites\/default\/files\/medien\/1410\/publikationen\/ubs2018_-_m_3.3_basisdatenbroschuere_barrierefrei-02_cps_bf.pdf\">ver\u00f6ffentlicht<\/a>. Hier wurden u.a. Fragen zu Umweltkognition, Umweltaffekt und Umwelthandeln gestellt. Was aber versteht man genau darunter? Unter dem Begriff Umweltkognition wurden Einstellungen erfragt, in denen Umweltthemen mit sachlichen Aussagen erfasst werden. Umweltaffekt hingegen beinhaltet die emotionale Einstellung zu Umweltthemen. Umwelthandeln definiert das eigene Handeln in umweltrelevanten Lebensbereichen wie z.B. Ern\u00e4hrung, Mobilit\u00e4t oder auch ehrenamtliches Engagement. In der genannten Studie des Umweltbundesamtes zeigt sich nun folgendes Ergebnis auf einer Skala von 0 (keine Zustimmung) bis 10 (hohe Zustimmung). Im Bereich Umweltkognition gab es eine hohe Zustimmung von 7,9, f\u00fcr Fragen zum Umweltaffekt eine 7,2. Lediglich im Umwelthandeln war die Zustimmungsrate eine 4,6. Zusammenfassend bedeutet dies also, dass sich viele Menschen dem Umweltproblem sowohl vom Verstand (Umweltkognition) als auch vom Herzen (Umweltaffekt) her bewusst sind, beim eigenen Handeln sich dann aber doch noch eine L\u00fccke auftut&#8230;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Woran liegt es nun, dass zwischen Wissen und Handeln so eine Diskrepanz besteht?<\/strong>&nbsp;Aus der Psychologie ist bekannt, dass wir eine Gefahr nur dann als solche wahrnehmen, wenn sie unmittelbar und ganz konkret besteht und auch unstrittig ist.&nbsp;Die Folgen des Klimawandels stellen allerdings eine schleichende Bedrohung dar, die f\u00fcr uns wirklich sp\u00fcrbaren Auswirkungen werden \u201evielleicht irgendwann\u201c in der Zukunft eintreten. Der Klimawandel ist dar\u00fcber hinaus in unseren Breitengraden zumindest im Moment noch kaum oder nur zeitbegrenzt fass- oder greifbar (wie w\u00e4hrend des Hitze- und D\u00fcrresommers 2018). Unmittelbar damit verbunden ist die Tatsache, dass der Mensch die Routine liebt. Sie gibt Sicherheit in einer unsicheren Welt. Wir sprechen dann von Gewohnheiten und die sind eben entsprechend schwer zu \u00e4ndern \u2013 oder warum sonst ist es so schwer, die guten Vors\u00e4tze f\u00fcr das neue Jahr in die Tat umzusetzen?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Fakten zum Klimawandelt stehen dabei m\u00f6glicherweise im Widerspruch zu unseren Gewohnheiten, Werten oder Erfahrungen. Es kommt zu sogenannten <strong>kognitiven Dissonanzen<\/strong> (kognitiven Verzerrungen), mit denen wir die offensichtlichen Widerspr\u00fcche f\u00fcr uns selbst aufzul\u00f6sen versuchen. Eine Auswahl dieser Verhaltensmuster wollen wir hier kurz vorstellen.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>An erster Stelle sei der sogenannte&nbsp;<strong>konfirmatorische Bias<\/strong>&nbsp;genannt. Menschen, die dieser Neigung unterliegen, nehmen nur jene Informationen wahr, welche die eigene Haltung oder Meinung best\u00e4rken. Andere Fakten hingegen werden ausgeblendet. Wir betreiben also eine Art von \u201eRosinen picken\u201c und suchen uns von den bekannten Argumenten nur jene aus, die uns gefallen. \u00dcbrigens: viele von Klimawandel-Leugnern vorgebrachte Argumente beruhen auf dem gleichen Prinzip (\u201eRosinen picken\u201c) und versuchen damit, den beim Gespr\u00e4chspartner vorhandenen Bias noch zu verst\u00e4rken, indem unvollst\u00e4ndige Fakten verbreitet werden.&nbsp;<strong>Beispiel:<\/strong>&nbsp;Das Argument \u201eIn der Vergangenheit gab es doch schon immer Zeiten, in denen es w\u00e4rmer und k\u00e4lter war&#8230;\u201c ist an sich gesehen zun\u00e4chst einmal korrekt. Dass daf\u00fcr aber andere Ursachen beschrieben sind, wie z.B. Variationen in der Erdumlaufbahn, wird unterschlagen. Dass der derzeitige Anstieg der CO<sub>2<\/sub>-Menge in der Atmosph\u00e4re hingegen auf dem Verbrennen von fossilen Brenntr\u00e4gern durch uns Menschen beruht, kann mit chemischen Messmethoden nachgewiesen werden. Und dass dies zum Treibhauseffekt mit den beschrieben Folgen beitr\u00e4gt, ist schon seit mehr als 100 Jahren bekannt. Wir nehmen also nur einen Teil der Information wahr (oder ernst) und kommen damit zu einem falschen Schluss und in der Folge zu einem nicht ad\u00e4quaten Handeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Menschen mit einem&nbsp;<strong><em>Single-action<\/em>-Bias<\/strong>, unterliegen der Wahrnehmung, dass sie bereits durch eine einzelne Ma\u00dfnahme (<em>single action<\/em>) ein hohes Ma\u00df an Aktivit\u00e4t entfalten oder entfaltet haben. So haben wir selbst lange gedacht, es w\u00fcrde ausreichen, wenn wir ab und zu auf das eine oder andere verzichten. In Diskussionen am Rande unserer Vortr\u00e4ge haben wir \u00e4hnliche Denkweisen festgestellt.&nbsp;<strong>Beispiel:<\/strong>&nbsp;Das allt\u00e4gliche Nutzen des Fahrrads, die vegane Ern\u00e4hrung oder der Kauf von Bio-Produkten wird als positiv verbucht. Im Gegenzug dazu sei dann aber die Reise mit dem Flugzeug oder die Fahrten mit dem SUV erlaubt. Man mache ja eh schon viel mehr als der Nachbar. F\u00fcr uns hat ein Blick auf den pers\u00f6nlichen CO<sub>2<\/sub>-Fussabdruck schnell gezeigt, dass eine einzige Ma\u00dfnahme nicht ausreicht, um halbwegs klimafreundlich zu leben und verschiedene Bereiche nicht gegeneinander aufgerechnet werden k\u00f6nnen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Menschen mit einem sogenannten<strong><em>&nbsp;Optimism<\/em>-Bias<\/strong>&nbsp;unterliegen der pers\u00f6nlichen Einsch\u00e4tzung, dass sie weniger h\u00e4ufig von negativen Ereignissen betroffen w\u00e4ren als andere Personen.<strong><em>&nbsp;<\/em>Beispiel:&nbsp;<\/strong>Tats\u00e4chlich ist es ja so, dass wir in Deutschland trotz der vergangenen zwei D\u00fcrre-Sommer noch keine Knappheit an Trinkwasser oder Lebensmittel versp\u00fcrt oder Waldbr\u00e4nde uns noch nicht aus unseren H\u00e4usern vertrieben haben. Zust\u00e4nde, wie sie in anderen Teilen der Erde leider schon der Realit\u00e4t entsprechen. Daher sch\u00e4tzen wir die Folgen des Klimawandels als nicht so gravierend ein \u2013 und warten lieber erstmal ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Beim&nbsp;<strong><em>Verf\u00fcgbarkeits-Bias<\/em><\/strong>&nbsp;wird die Wahrscheinlichkeit von spezifischen Ereignissen aufgrund (fehlender) pers\u00f6nlicher Erfahrungen anders oder falsch eingesch\u00e4tzt.&nbsp;<strong>Beispiel:&nbsp;<\/strong>\u201eSo oft st\u00fcrmt es hier doch gar nicht!\u201c oder \u201eAch, es schneit doch immer noch, warum denn dann die Aufregung?\u201c Oder viele wissen, dass die Abschaltung der Kohlekraftwerke zum Verlust von Arbeitspl\u00e4tzen in Deutschland f\u00fchren wird oder dass die Einf\u00fchrung der Elektromobilit\u00e4t mit der Problematik verbunden ist, unter welchen Bedingungen die ben\u00f6tigten Batterien produziert werden. Dass aber im Bereich der Photovoltaik in den vergangenen Jahren in Deutschland weit mehr Arbeitspl\u00e4tz verloren gingen oder die Gewinnung von Kohle und \u00d6l auch viele Probleme f\u00fcr Mensch und Umwelt mit sich bringt, ist vielen Menschen nicht bekannt. Da diese Informationen fehlen, und nur die verf\u00fcgbaren Informationen verarbeitet werden, kommt es dazu, dass nicht gehandelt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Menschen mit einem<strong><em>&nbsp;Self-serving<\/em><\/strong><strong>-Bias<\/strong>&nbsp;tendieren dazu, dass sie eigene Erfolge im Zweifelsfall sich selbst zuschreiben und Schwierigkeiten eher auf \u00e4u\u00dfere Ursachen zur\u00fcckf\u00fchren, so ganz nach dem Motto: \u201eDie anderen sind Schuld\u2026.\u201c.&nbsp;<strong>Beispiel:&nbsp;<\/strong>So k\u00f6nnten uns die vorhandenen Erfolge in der Energiewende in Deutschland dazu verleiten zu argumentieren, dass am Klima-Desaster jetzt nat\u00fcrlich die anderen Schuld sind und daher gelte: \u201eJetzt sollen erstmal die anderen machen\u201c. Und nat\u00fcrlich gibt es viele Gr\u00fcnde, nicht aktiv zu werden, f\u00fcr die wir nichts k\u00f6nnen. Bio-Fleisch sei zu teuer, der \u00d6PNV nicht gut genug, die Bahn immer zu sp\u00e4t etc&#8230;&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Dar\u00fcber hinaus tragen verschiedene andere&nbsp;<strong>Gef\u00fchle<\/strong>&nbsp;dazu bei, dass wir in Klimafragen nicht handeln. Das Gef\u00fchl der Schuld oder Scham, an den Problemen mitverantwortlich zu sein. Oder der Neid auf andere: wir verzichten, aber andere konsumieren einfach weiter und leben in Saus und Braus. Oder auch die Ohnmacht vor den Problemen, die der Klimawandel mit sich bringt; als einzelne Person kann man hier (vermeintlich) eh nichts bewirken&#8230;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem wir uns nun mit ein paar Hinderungsgr\u00fcnden aus der Umweltpsychologie besch\u00e4ftigt haben, die uns dazu verleiten, im Klimaschutz nicht oder wenig aktiv zu werden, wollen wir uns im kommenden Blogbeitrag der Frage zuwenden, wie wir diesen Problemen begegnen und wie wir andere motivieren k\u00f6nnen, im Klimaschutz aktiv zu werden&#8230;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Weitere Literatur:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Clayton S, Devine-Wright P, Stern PC, Whitmarsh L, Carrico A, Steg L, Swim J, Bonnes M  (2015) Psychological research and global climate change. Nature Climate Change 5:640\u2013646<\/p>\n\n\n\n<p>Marshall G (2015) Don&#8217;t even think about it. Why our brains are wired to ignore climate change. Blomsbury, London<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Neue Jahr steht vor der T\u00fcr, f\u00fcr viele von uns mit guten Vors\u00e4tzen. Und vielleicht hat sich die eine oder der andere vorgenommen, sich umweltbewusster zu verhalten? Hoffentlich klappt es! Heute wollen wir allerdings zur\u00fcckblicken und uns mit der Frage besch\u00e4ftigen, warum wir eigentlich nicht schon viel fr\u00fcher begonnen haben, uns aktiv f\u00fcr den &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/klimaandmore.de\/?p=2438\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eWarum wir zu wenig f\u00fcr den Klimaschutz tun&#8230;..\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_is_tweetstorm":false,"jetpack_publicize_feature_enabled":true},"categories":[92],"tags":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/paMwRu-Dk","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/klimaandmore.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2438"}],"collection":[{"href":"https:\/\/klimaandmore.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/klimaandmore.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/klimaandmore.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/klimaandmore.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2438"}],"version-history":[{"count":13,"href":"https:\/\/klimaandmore.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2438\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2538,"href":"https:\/\/klimaandmore.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2438\/revisions\/2538"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/klimaandmore.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2438"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/klimaandmore.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2438"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/klimaandmore.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2438"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}