{"id":2952,"date":"2020-04-11T21:51:44","date_gmt":"2020-04-11T21:51:44","guid":{"rendered":"http:\/\/klimaandmore.de\/?p=2952"},"modified":"2020-04-12T09:59:13","modified_gmt":"2020-04-12T09:59:13","slug":"was-die-corona-pandemie-der-verlust-der-biodiversitaet-und-die-klimakrise-gemein-haben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/klimaandmore.de\/?p=2952","title":{"rendered":"Was die Corona-Pandemie, der Verlust der Biodiversit\u00e4t und die Klimakrise gemein haben&#8230;"},"content":{"rendered":"\n<p>Bis vor kurzem beherrschte das Thema Klimawandel noch die politische Diskussion &#8211; auch hier auf unserem Blog. Mittlerweile ist es aus der \u00f6ffentlichen Wahrnehmung verschwunden. Trotzdem besteht das Problem nat\u00fcrlich auch weiterhin. \u00c4hnlich ergeht es einem anderen gro\u00dfen Thema, dem Verlust der Artenvielfalt. Vor kurzem wurden noch das Insektensterben und der R\u00fcckgang der V\u00f6gel diskutiert, und welche Rolle dabei wohl die Landwirtschaft spielt. Auch dieses Thema \u2013 verschwunden. <strong>Das Corona-Thema dominiert.<\/strong> Nat\u00fcrlich zu Recht, wenn wir uns die Folgen auf unsere Gesundheit, die Wirtschaft, unser t\u00e4gliches Leben und unsere Grundrechte anschauen. Aber gibt es zwischen diesen Themen einen Zusammenhang? Hier erfahrt Ihr mehr&#8230;..<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"423\" src=\"https:\/\/klimaandmore.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Corona-4-1024x423.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-2977\" srcset=\"https:\/\/klimaandmore.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Corona-4-1024x423.png 1024w, https:\/\/klimaandmore.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Corona-4-300x124.png 300w, https:\/\/klimaandmore.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Corona-4-768x317.png 768w, https:\/\/klimaandmore.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Corona-4.png 1878w\" sizes=\"(max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Betrachten wir zun\u00e4chst einmal ein <strong>paar wichtige Punkte zur<\/strong>&nbsp;<strong>Corona-Pandemie<\/strong>. Was ist Corona \u00fcberhaupt? H\u00e4ufig wird der Begriff zur Beschreibung einer Erkrankung verwendet, die u.a. durch schwere Atemprobleme (schweres akutes Atemwegssyndrom) charakterisiert sein kann. Diese k\u00f6nnen so stark sein, dass eine k\u00fcnstliche Beatmung notwendig ist. Aber eigentlich beschreibt der Begriff Corona nicht die Erkrankung, sondern den zugeh\u00f6rigen Erreger. Aber auch an dieser Stelle ist der Begriff unscharf. Schlie\u00dflich gibt es eine ganz&nbsp;<strong>Familie an Corona-Viren<\/strong>. Diese kommen in verschiedenen Tieren, aber auch im Menschen vor. Bei uns gibt es vier Corona-Viren, die lediglich einfache Erk\u00e4ltungen hervorrufen und neben anderen Viren f\u00fcr die j\u00e4hrlichen Erk\u00e4ltungswellen im Winter mitverantwortlich sind. Drei weitere Corona-Viren sind f\u00fcr schwere Erkrankungen beim Menschen verantwortlich. So waren Mitglieder der Coronaviren verantwortlich f\u00fcr die&nbsp;SARS&nbsp;(<em>severe acute respiratory syndrom<\/em>) und&nbsp;MERS&nbsp;(<em>middle east respiratory syndrom<\/em>) Epidemien in 2002 sowie 2012. Die dazugeh\u00f6rigen Viren werden als SARS-CoV1 und MERS-CoV bezeichnet. Die aktuelle Erkrankung, die weltweit auftritt und daher auch als Pandemie beschrieben wird, hei\u00dft korrekt&nbsp;<strong>COVID-19<\/strong>  (<em>corona virus disease 2019)<\/em>. Es wird durch ein Virus hervorgerufen, welches \u00e4hnlich zu dem Virus ist, das die SARS Epidemie ausgel\u00f6st hat, und wird daher als&nbsp;<strong>SARS-CoV2<\/strong>&nbsp;bezeichnet. Die Erstbeschreibung der Erkrankung in der wissenschaftlichen Literatur ist <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41586-020-2012-7.pdf\">hier<\/a> zu finden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Woher kommt SARS-CoV2?<\/strong> Diese Frage ist noch nicht abschlie\u00dfen gekl\u00e4rt. Es ist jedoch davon auszugehen, dass dieses Virus mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit von einem Tier auf den Menschen \u00fcbertragen wurde. Diskutiert werden aktuell&nbsp;<strong><a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41591-020-0820-9.pdf\">Flederm\u00e4use<\/a><\/strong>, von denen auch SARS-CoV1 auf den Menschen \u00fcbertragen wurde, aber auch&nbsp;<strong>Schuppentiere<\/strong>, wie das Pangolin, m\u00f6glicherweise auch als \u00dcbertr\u00e4ger zwischen Flederm\u00e4usen und dem Menschen. Unwahrscheinlich gilt die zuweilen im Internet aufgestellte Behauptung, dass SARS-CoV2 von Schlangen auf Menschen \u00fcbertragen wurde, da in diesen bisher keine Coronaviren nachgewiesen wurden. Und die selbe <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41591-020-0820-9.pdf\">Studie<\/a> hat auch gezeigt, dass SARS-CoV2 nicht versehentlich in einem Labor hergestellt wurde. <\/p>\n\n\n\n<p>Damit geh\u00f6rt COVID-19 zu den&nbsp;<strong>Zoonosen<\/strong>&nbsp;&#8211; Infektionskrankheiten, die von Tieren auf den Menschen \u00fcbertragen werden k\u00f6nnen.&nbsp;Wenn wir uns die Liste der Erreger von bereits bekannten Zoonosen anschauen, dann ist diese ganz beachtlich: Ebola-Viren, die vermutlich von Flughunden auf den Menschen \u00fcbertragen wurden; HIV, welches von Affen auf den Menschen \u00fcbergesprungen ist; SARS und MERS, die von Flederm\u00e4usen auf den Menschen \u00fcbertragen wurden; die Vogelgrippe, bei denen einige ausl\u00f6sende Viren von V\u00f6geln auf den Menschen \u00fcbertragen wurden; oder die Schweinegrippe, bei der Vorl\u00e4ufervarianten von Influenza-Viren den Sprung vom Tier zum Mensch geschafft hat. In all diesen F\u00e4llen sind also mehr oder minder schwere Erkrankungen dadurch entstanden, dass Erreger, die zuvor nur das Tier als Wirt kannten, den Menschen als neuen Wirt gefunden haben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie kommt es zu solchen Zoonosen?<\/strong>&nbsp;Ganz einfach gesprochen: dadurch, dass der Mensch dem Tier zu nahegekommen ist. Klassischerweise, weil Menschen ihren Lebensraum ausgeweitet haben, in Bereiche vorgedrungen sind, die urspr\u00fcnglich ausschlie\u00dflich den Tieren zur Verf\u00fcgung standen, und weil Tiere zum Verzehr gejagt werden. F\u00fcr die \u00dcbertragung auf den Menschen sind beispielsweise relevant: <strong>Wasserstellen<\/strong>, die von Wild- und Haustieren sowie dem Menschen gemeinsam genutzt werden, oder auch&nbsp;<strong>Wildtierm\u00e4rkte<\/strong>, auf denen gejagte Tiere lebend vorgehalten, geschlachtet oder zum Verzehr weiterverkauft werden. Oftmals werden dort auch bereits get\u00f6tete Tiere unter nicht sonderlich hygienischen Standards aufbewahrt. Unter solchen Bedingungen ist der \u00dcbergang eines Virus auf den Menschen relativ einfach m\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit ein solcher \u00dcbergang auf einen anderen Wirt tats\u00e4chlich passieren kann, m\u00fcssen sich die Viren modifizieren; sie m\u00fcssen quasi f\u00fcr den neuen Wirt vorbereitet sein. Ganz genau: Die Erbsubstanz der Viren muss sich \u00fcber die Zeit ver\u00e4ndern. Und hier kommt die&nbsp;<strong>Biodiversit\u00e4t<\/strong>&nbsp;ins Spiel. In \u00f6kologischen Systemen, in denen 1. die Artenvielfalt besonders hoch ist, 2. jede Art aufgrund der hohen Anzahl der Population eine hohe genetische Variabilit\u00e4t aufweist und 3. eine ausreichend gro\u00dfe Fl\u00e4che zur Verf\u00fcgung steht, k\u00f6nnen sich Viren sogar in ihren nat\u00fcrlichen Wirten nur schlecht verbreiten. Kommt es aber 1. zur Verkleinerung oder <a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pubmed\/31053334\">Fragmentierung<\/a> des nat\u00fcrlichen Lebensraums einer Art (durch menschliche Eingriffe wie \u00c4nderungen der Landnutzung), 2. zu einer Minimierung einer Population und damit zum Verlust der genetischen Vielfalt (z.B. durch die Jagd) und 3. zur Verringerung der <a href=\"https:\/\/www.pnas.org\/content\/early\/2014\/04\/24\/1404958111 \">Artenvielfalt<\/a> (durch den Eingriff in ein \u00d6kosystem), dann breiten sich Viren auch in Tierpopulationen besser aus. Viren mit ver\u00e4nderter Erbinformation k\u00f6nnen sich noch besser ausbreiten und werden gleichsam selektioniert. Mit anderen Worten: <strong>die massiven Eingriffe in unsere \u00d6kosysteme erh\u00f6hen die Wahrscheinlichkeit, dass ein solches Szenario, wie wir es gerade erleben, passiert.<\/strong> Auch hierzu gibt es eine relevante wissenschaftliche Arbeit, die zeigt, dass das massive Abholzen des Amazonas Regenwaldes (wir hatten \u00fcber die Ursachen dazu <a href=\"https:\/\/klimaandmore.de\/?p=1835\">hier<\/a> berichtet) die \u00dcbertragung von <a href=\"https:\/\/www.pnas.org\/content\/116\/44\/22212\">Malaria <\/a>beg\u00fcnstigt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Ausbruch einer Pandemie geh\u00f6rt, dass <strong>Viren um die Welt reisen<\/strong> k\u00f6nnen. In Zeiten der Globalisierung ist dies gar nicht so schwer: Jede Menge (Gesch\u00e4fts-)Reisende jetten t\u00e4glich rund um die Welt. Und zumindest viele B\u00fcrger der hoch entwickelten L\u00e4nder sehen es gar als ihr Recht an, jeden Winkel der Erde zu erkunden. Geh\u00f6rt ja schon fast dazu. Und wie viele dieser Reisenden haben vielleicht sogar selbst schon einmal einen Wildtiermarkt besucht? Muss man ja gesehen haben, ist ja landestypisch&#8230; Und dass unser Freizeitverhalten eine wichtige Rolle bei der Verbreitung von SARS-CoV2 gespielt hat, haben die Infektionsketten in Europa gezeigt. Stichworte hier sind Skifahren oder Karneval. Zusammengefasst: unsere Form des Lebens und Wirtschaftens in einer globalisierten, fast grenzenlosen Welt ist eine perfekte Voraussetzung f\u00fcr den Ausbruch einer Pandemie.<\/p>\n\n\n\n<p>Womit wir uns so langsam dem Thema <strong>Klimakrise<\/strong> zuwenden k\u00f6nnen. \u00dcber die Bedeutung unserer <a href=\"https:\/\/klimaandmore.de\/?p=1835\">Ern\u00e4hrung<\/a> oder unserem Reiseverhalten (<a href=\"https:\/\/klimaandmore.de\/?p=339#more-339\">hier<\/a>&nbsp;oder <a href=\"https:\/\/klimaandmore.de\/?p=838\">hier<\/a>) auf das Klima haben wir bereits berichtet. Somit ist &#8211; wenn wir es mit etwas Abstand betrachten &#8211; auch die Klimakrise Ausdruck unseres Lebensstils. Und gleiches gilt f\u00fcr den Verlust der Artenvielfalt, sei es in fernen <a href=\"https:\/\/klimaandmore.de\/?p=1835\">L\u00e4ndern<\/a> oder bei uns vor der <a href=\"https:\/\/klimaandmore.de\/?p=2280\">Haust\u00fcr<\/a>. Wir in den Industriel\u00e4ndern leben weit \u00fcber unsere Verh\u00e4ltnisse und \u00fcberziehen seit vielen Jahren die Grenzen des planetaren Wachstums &#8211; was sich aktuell im Ausbruch der globalen Corona-Pandemie zeigt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Daher wollen wir heute schlie\u00dfen mit einem Zitat von&nbsp;Elizabeth Maruma Mrema, der derzeitigen Generalsekret\u00e4rin f\u00fcr die Biodiversit\u00e4tskonvention der Vereinten Nationen, die gegen\u00fcber dem <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/world\/2020\/apr\/06\/ban-live-animal-markets-pandemics-un-biodiversity-chief-age-of-extinction\">Guardian<\/a> mitteilte (hier zitiert nach dem <a href=\"https:\/\/www.freitag.de\/autoren\/the-guardian\/wildtiermaerkte-sollen-verboten-werden\">Freitag)<\/a>:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eDie Botschaft, die wir h\u00f6ren, lautet: Wenn wir uns nicht um die Natur k\u00fcmmern, k\u00fcmmert sie sich um uns.\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mehr zum Lesen:<\/p>\n\n\n\n<p>Mehr \u00fcber <a href=\"https:\/\/www.uni-ulm.de\/home\/uni-aktuell\/article\/evolutionsoekologin-prof-simone-sommer-ueber-das-neue-coronavirus-umweltzerstoerung-und-menschliches-verhalten-beguenstigen-zoonosen\/\">Zoonosen<\/a> von unseren Ulmer KollegenInnen&#8230;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bis vor kurzem beherrschte das Thema Klimawandel noch die politische Diskussion &#8211; auch hier auf unserem Blog. 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