{"id":3187,"date":"2020-07-15T13:45:34","date_gmt":"2020-07-15T13:45:34","guid":{"rendered":"http:\/\/klimaandmore.de\/?p=3187"},"modified":"2020-07-15T13:45:36","modified_gmt":"2020-07-15T13:45:36","slug":"gefaehrdet-der-klimawandel-unsere-persoenliche-gesundheit-in-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/klimaandmore.de\/?p=3187","title":{"rendered":"Gef\u00e4hrdet der Klimawandel unsere pers\u00f6nliche Gesundheit in Deutschland?"},"content":{"rendered":"\n<p>In Zeiten des neuartigen Corona Virus r\u00fcckt unsere Gesundheit zurecht mehr in den Mittelpunkt der \u00f6ffentlichen und privaten Diskussionen. Der Klimawandel, bis vor kurzem noch das gro\u00dfe Thema, ist in der tagesaktuellen Diskussion nicht mehr so pr\u00e4sent. Aber nat\u00fcrlich sind der Klimawandel und die damit einhergehende Problematik nicht verschwunden. So war der April diesen Jahres wieder durch eine besondere Trockenheit gepr\u00e4gt. Ein zu erwartender Anstieg auch an menschlichen Opfern durch vermehrte D\u00fcrre, Br\u00e4nde oder Unwetterereignisse wie St\u00fcrme und Starkregen sind vielen von uns bekannt.  <strong>Doch welche weiteren Auswirkungen hat eigentlich der Klimawandel ganz konkret auf unsere eigene Gesundheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter is-resized\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/klimaandmore.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/image-2.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-3190\" width=\"428\" height=\"171\" srcset=\"https:\/\/klimaandmore.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/image-2.png 566w, https:\/\/klimaandmore.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/image-2-300x120.png 300w\" sizes=\"(max-width: 428px) 100vw, 428px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Wesentliche Grundlage f\u00fcr die Gef\u00e4hrdung unserer eigenen Gesundheit ist der Anstieg der globalen Temperatur. Wie stellt sich dieser globale Trend aber ganz konkret f\u00fcr Deutschland dar? Daten des Deutschen Wetterdienst zeigen, dass die&nbsp;<strong>Anzahl an Tagen mit extremen Temperaturen<\/strong>&nbsp;auch in Deutschland in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen hat. Hatten wir im Jahr 1950 noch durchschnittlich zwei Tage im Jahr, an denen die Temperatur im deutschen Durchschnitt (das sogenannte Gebietsmittel) \u00fcber 30\u00b0C lag, so sind es jetzt &#8211; 70 Jahre sp\u00e4ter &#8211; schon knapp zehn Tage (Abb. 1). Wir erinnern uns auch an den Sommer 2019, in dem es an drei aufeinanderfolgenden Tagen an mehreren Orten in Deutschland \u00fcber 40\u00b0C hei\u00df war. Am 25. Juli 2019 wurde der deutsche Hitzerekord mit 42,6\u00b0 in Lingen im Emsland gebrochen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter is-resized\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/klimaandmore.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/image-1.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-3189\" width=\"505\" height=\"261\" srcset=\"https:\/\/klimaandmore.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/image-1.png 634w, https:\/\/klimaandmore.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/image-1-300x155.png 300w\" sizes=\"(max-width: 505px) 100vw, 505px\" \/><figcaption><strong>Abbildung 1:<\/strong>&nbsp;Anzahl der Tage mit einer Lufttemperatur von \u00fcber 30\u00b0C im Gebietsmittel in Deutschland. Innerhalb von 70 Jahren stieg dieser Wert im Schnitt von zwei auf knapp zehn Tage. Eigene Darstellung nach Daten des Deutschen Wetterdienst.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Diese hohen Temperaturen f\u00fchren zu vermehrten&nbsp;<strong>Herz-Kreislaufproblemen <\/strong>und<strong> Atembeschwerden<\/strong>, vor allem bei \u00e4lteren Menschen. Durch die h\u00f6heren Temperaturen schwitzen wir mehr und es kann zu einem Fl\u00fcssigkeitsverlust kommen. Das Blut wird z\u00e4hfl\u00fcssiger und die Konzentration wichtiger Ionen im K\u00f6rper kann sich ver\u00e4ndern. Umgangssprachlich spricht man h\u00e4ufig einfach von <strong>Salzverlusten<\/strong>. Mit dem Alter nimmt auch die F\u00e4higkeit zur <strong>Thermoregulation<\/strong> ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Es hat sich gezeigt, dass die durchschnittliche&nbsp;<strong>Mortalit\u00e4tsrate <\/strong>w\u00e4hrend Hitzewellen stark&nbsp;<strong>ansteigt<\/strong>. Im au\u00dfergew\u00f6hnlich hei\u00dfen Sommer 2003 beispielsweise sind in Deutschland 7.600 zus\u00e4tzliche Menschen, zumeist \u00c4ltere, verstorben. 2006 und 2015 waren es jeweils rund <a href=\"https:\/\/www.umweltbundesamt.de\/sites\/default\/files\/medien\/1410\/publikationen\/das_monitoringbericht_2019_barrierefrei.pdf)\">6.000 zus\u00e4tzlich Verstorbene<\/a>. In ganz Europa gab es 2003 ca. <a href=\"https:\/\/www.sciencedirect.com\/science\/article\/pii\/S1631069107003770\">70.000 zus\u00e4tzliche Hitzetote<\/a>. Diese Zahlen zeigen eindr\u00fccklich, dass der Klimawandel und die damit verbundene erh\u00f6hte Wahrscheinlichkeit von Hitzewellen direkt Einfluss auf unser Wohlbefinden und unser Leben nimmt.<\/p>\n\n\n\n<p>Zuk\u00fcnftig werden wir auch mit vermehrten und vor allem auch neuen&nbsp;<strong>Infektionserkrankungen<\/strong>&nbsp;in unseren Regionen konfrontiert werden. In unseren Breitengraden breiten sich zunehmend invasive Stechm\u00fccken wie die Japanische Buschm\u00fccke oder die Asiatische Tigerm\u00fccke aus &#8211; \u00dcbertr\u00e4ger des West-Nil-Virus, des Zika-Virus oder des Dengue-Virus. Funde dieser Insekten nehmen vor allem im S\u00fcdwesten unseres Landes zu (Abb. 2).<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter is-resized\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/klimaandmore.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/image.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-3188\" width=\"564\" height=\"263\" srcset=\"https:\/\/klimaandmore.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/image.png 634w, https:\/\/klimaandmore.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/image-300x140.png 300w\" sizes=\"(max-width: 564px) 100vw, 564px\" \/><figcaption><strong>Abbildung 2:<\/strong>&nbsp;Anteil positiver Befunde der Tigerm\u00fccke in %. Proben aus der Region des Oberrheins. F\u00fcr 2010 und 2011 (grau) sind keine Daten vorhanden. Eigene Abbildung nach einer <a href=\"https:\/\/www.umweltbundesamt.de\/sites\/default\/files\/medien\/1410\/publikationen\/das_monitoringbericht_2019_barrierefrei.pdf\">Publikation des Umweltbundesamtes<\/a>.&nbsp;<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Dar\u00fcber hinaus beobachten wir zudem eine zunehmende Verbreitung von Zecken, was zu einem verst\u00e4rkten Auftreten von FSME und Borreliose f\u00fchrt. Auch invasive tropische Zecken der Gattung&nbsp;<em>Hyalomma<\/em>&nbsp;finden sich vermehrt in unseren Breitengraden. Diese \u00fcbertragen das Krim-Kongo-H\u00e4morrhagische Fieber, das bereits jetzt auf dem Balkan zu finden ist und abh\u00e4ngig von der medizinischen Versorgung und des exakten Virenstamms eine Letalit\u00e4t von bis zu 50% <a href=\"https:\/\/www.sozialministerium.at\/dam\/jcr:6a0c6882-dca9-44f7-b4c1-82bc8d0a2f5a\/Krim-Kongo-Fieber_Informationen f\u00fcr medizinisches Fachpersonal.pdf \">aufweist<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Aufgrund der Jahreszeitenver\u00e4nderung werden auch die saisonalen Zeitr\u00e4ume l\u00e4nger, in welchen&nbsp;<strong>allergene Pollen<\/strong>&nbsp;auftreten. Damit einhergehend steigt die Pollenmenge, so dass allergische Reaktionen sowie Asthma verst\u00e4rkt auftreten. Auch die sp\u00e4te Bl\u00fctezeit von Juli bis Oktober bringt eine zus\u00e4tzliche Belastung f\u00fcr Allergiker mit sich. Forscher sch\u00e4tzen, dass sich die Anzahl der Betroffen bis <a href=\"https:\/\/ehp.niehs.nih.gov\/doi\/10.1289\/EHP173\">Mitte des Jahrhunderts verdoppeln wird<\/a>. Der Klimawandel beg\u00fcnstigt zudem die Ausbreitung \u201eneuer\u201c allergener Arten wie beispielsweise&nbsp;<em>Ambrosia<\/em>. Die Pollen von Ambrosia k\u00f6nnen starke Allergien auf Ebene der Augen und Atemwege ausl\u00f6sen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die zunehmende&nbsp;<strong>Erw\u00e4rmung von Gew\u00e4ssern<\/strong>&nbsp;wie beispielsweise der Ostsee (zwischen 1982 und 2007 um 1,35\u00b0C) f\u00fchrt zu&nbsp;<strong>verbesserten Lebensbedingungen f\u00fcr Krankheitserreger<\/strong>, was der <a href=\"https:\/\/www.aerzteblatt.de\/nachrichten\/96656\/Behoerden-warnen-vor-Vibrio-Bakterien-in-der-Ostsee\">Anstieg an Vibrio-Keimen<\/a> zeigt. Diese sind vor allem f\u00fcr Menschen mit Vorerkrankungen oder geschw\u00e4chten Immunsystem gef\u00e4hrlich, da sie Wundinfektionen, Blutvergiftungen und Durchfall hervorrufen k\u00f6nnen. Dem gegen\u00fcber breiten sich mit ansteigenden Gew\u00e4ssertemperaturen in Badeseen <a href=\"https:\/\/www.umweltbundesamt.de\/sites\/default\/files\/medien\/1410\/publikationen\/das_monitoringbericht_2019_barrierefrei.pdf\">Cyanobakterien<\/a> (Blaualgen) aus, die Hautreizungen, Magen-Darm-Beschwerden und Atemwegserkrankungen ausl\u00f6sen k\u00f6nnen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fazit<\/strong>: Der Klimawandel ist ein Prozess, der nicht nur in fernen L\u00e4ndern stattfindet und dort Sch\u00e4den anrichtet. Der Klimawandel beeintr\u00e4chtigt auch unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden hier in Deutschland, was schon jetzt festzustellen ist. Die fortschreitende globale Erw\u00e4rmung wird dieses Problem auch hier st\u00e4rker hervortreten lassen. Es lohnt sich also, Ma\u00dfnahmen zu ergreifen, den Klimawandel zu begrenzen. Aber auch Ma\u00dfnahmen, welche die Folgen des Klimawandels ertr\u00e4glicher machen: Ein gutes Gesundheitssystem und eine entsprechende Pr\u00e4vention auf pers\u00f6nlicher Ebene.&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Zeiten des neuartigen Corona Virus r\u00fcckt unsere Gesundheit zurecht mehr in den Mittelpunkt der \u00f6ffentlichen und privaten Diskussionen. Der Klimawandel, bis vor kurzem noch das gro\u00dfe Thema, ist in der tagesaktuellen Diskussion nicht mehr so pr\u00e4sent. Aber nat\u00fcrlich sind der Klimawandel und die damit einhergehende Problematik nicht verschwunden. So war der April diesen Jahres &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/klimaandmore.de\/?p=3187\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eGef\u00e4hrdet der Klimawandel unsere pers\u00f6nliche Gesundheit in Deutschland?\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_is_tweetstorm":false,"jetpack_publicize_feature_enabled":true},"categories":[8],"tags":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/paMwRu-Pp","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/klimaandmore.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3187"}],"collection":[{"href":"https:\/\/klimaandmore.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/klimaandmore.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/klimaandmore.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/klimaandmore.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3187"}],"version-history":[{"count":13,"href":"https:\/\/klimaandmore.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3187\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3203,"href":"https:\/\/klimaandmore.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3187\/revisions\/3203"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/klimaandmore.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3187"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/klimaandmore.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3187"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/klimaandmore.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3187"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}