{"id":3261,"date":"2020-08-30T10:59:49","date_gmt":"2020-08-30T10:59:49","guid":{"rendered":"http:\/\/klimaandmore.de\/?p=3261"},"modified":"2020-08-30T10:59:51","modified_gmt":"2020-08-30T10:59:51","slug":"duerre-in-deutschland-oder-doch-alles-nicht-so-schlimm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/klimaandmore.de\/?p=3261","title":{"rendered":"D\u00fcrre in Deutschland &#8211; oder doch alles nicht so schlimm?"},"content":{"rendered":"\n<p>Dieser Tage erreichen uns immer wieder die Meldungen \u00fcber Wassermangel, trockene B\u00f6den und <a href=\"https:\/\/www.agrarheute.com\/markt\/marktfruechte\/deutsche-getreideernte-enttaeuscht-erneut-557528\">Ernteeinbu\u00dfen<\/a>. In manchen Regionen wurde die Nutzung von Trinkwasser eingeschr\u00e4nkt und in Lauenau in Niedersachsen mussten die Bewohner gar von der Feuerwehr mit Frischwasser versorgt und Trinkwasser im Supermarkt gekauft werden. Gleichzeitig haben manche den Eindruck, dass es doch zuletzt viel geregnet habe &#8211; zumindest in manchen Gegenden von Deutschland \u2013 und dass alles doch nicht so schlimm sein k\u00f6nne. Und gerade heute, am Tag der Ver\u00f6ffentlichung dieses Beitrags regnet es in Deutschlands S\u00fcden ausgiebig. Wir haben uns das mal etwas genauer angeschaut und wollen heute \u00fcber den Begriff der D\u00fcrre berichten&#8230;..<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Was beschreibt eigentlich der Begriff&nbsp;<strong>D\u00fcrre<\/strong>? Dieser Begriff wird verwendet, wenn man ausdr\u00fccken m\u00f6chte, dass der Boden sehr trocken ist, also ein geringe&nbsp;<strong>Bodenfeuchte<\/strong>&nbsp;besteht. Dazu muss man zun\u00e4chst einmal wissen, wie feucht der Boden zu den verschiedenen Jahreszeiten normalerweise ist; der Boden ist im Winter feuchter als im Sommer. Um einen \u201enormalen\u201c Wert f\u00fcr die Feuchtigkeit des Bodens zu erhalten \u2013 die Wissenschaft spricht von einem Durchschnittswert \u2013 muss man diesen \u00fcber viele Jahre sowie mehrmals pro Jahr &#8211; am besten t\u00e4glich &#8211; messen. So erh\u00e4lt man auch einen maximalen und einen minimalen Wert der Bodenfeuchte f\u00fcr einen bestimmten Zeitpunkt im Jahr. Da die Bodenbeschaffenheit an verschiedenen Orten ganz unterschiedlich ist, kann man die Bodenfeuchte auch nur auf einen bestimmten Ort beziehen. Sandige B\u00f6den k\u00f6nnen Wasser zwar sehr gut aufnehmen, aber nur schlecht speichern; lehmige B\u00f6den hingegen k\u00f6nnen Wasser gut speichern. Halten wir als erstes Fazit fest: Will man einen \u00dcberblick \u00fcber die Bodenfeuchte erhalten, muss diese \u00fcber l\u00e4ngere Zeitr\u00e4ume gemessen und dies f\u00fcr einzelne Orte getrennt vorgenommen werden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Kommen wir zur\u00fcck zum Begriff D\u00fcrre. Wir dr\u00fccken damit aus, dass ein Boden aktuell besonders wenig Wasser gespeichert hat, also eine geringe Bodenfeuchte vorherrscht. Wenn die Bodenfeuchte unter die sogenannte 20-Perzentile f\u00e4llt, spricht man von einer D\u00fcrre. In anderen Worten ausgedr\u00fcckt: Der Boden hat dann nur noch 20% der&nbsp;<strong>maximal<\/strong>&nbsp;<strong>gemessenen Feuchtigkeit<\/strong>&nbsp;zu dieser Zeit des Jahres. Im Bereich von 20-30% hingegen spricht man von ungew\u00f6hnlicher Trockenheit. Der Bereich von 0-20%, also dem Bereich der D\u00fcrre, wird weiterhin in verschiedene Klassen eingeteilt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Bei den Berechnungen und Darstellungen zur D\u00fcrre des Helmholtz Zentrums f\u00fcr Umweltforschung, dem <a href=\"https:\/\/www.ufz.de\/index.php?de=37937\"><strong>D\u00fcrremonitor<\/strong><\/a>, die in entsprechenden Karten erfolgt, wird zudem unterschieden, in welcher Tiefe die Trockenheit oder D\u00fcrre besteht. Einmal wird ein Bereich von bis zu 1,80 Meter dargestellt, das andere Mal nur der Oberfl\u00e4chenbereich bis zu einer Tiefe von 25 cm. Au\u00dferdem wird das sogenannte Pflanzen-verf\u00fcgbare Wasser dargestellt. Die letzten beiden Wert sind beispielsweise f\u00fcr die Landwirtschaft wichtig, der erste Wert f\u00fcr unsere W\u00e4lder, da viele B\u00e4ume aus diesen Tiefen Wasser holen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"525\" src=\"https:\/\/klimaandmore.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Duerre_Abbildung-1-1024x525.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-3269\" srcset=\"https:\/\/klimaandmore.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Duerre_Abbildung-1-1024x525.png 1024w, https:\/\/klimaandmore.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Duerre_Abbildung-1-300x154.png 300w, https:\/\/klimaandmore.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Duerre_Abbildung-1-768x394.png 768w\" sizes=\"(max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption><strong>Abbildung<\/strong>: Darstellung der D\u00fcrre in Deutschland am 27.08.2020. <strong>Links:<\/strong> Gesamtboden bis ca. 1,8 Meter Tiefe. <strong>Mitte:<\/strong> Oberboden bis 25 cm Tiefe. <strong>Rechts:<\/strong> Pflanzen-verf\u00fcgbares Wasser. Quelle: UFZ-<a href=\"https:\/\/www.ufz.de\/index.php?de=37937\">D\u00fcrremonitor<\/a>\/ Helmholtz-Zentrum f\u00fcr Umweltforschung <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Wenn wir uns eine solche Karte anschauen, sehen wir den D\u00fcrrezustand der B\u00f6den in einer Aufl\u00f6sung von bis zu 4&#215;4 km. Aber wird jetzt an all diesen Orten kontinuierlich die Bodenfeuchte gemessen? Nein, tats\u00e4chlich beruht der D\u00fcrremonitor auf einem mathematischen Modell, welches die Niederschlagsmengen der Vergangenheit, die Temperaturen und die Bodenbeschaffenheit vor Ort ber\u00fccksichtigt. Dieses Modell wird kontinuierlich mit tats\u00e4chlichen Messungen \u00fcberpr\u00fcft und optimiert. Das Modell wurde zudem nicht nur an ca. 220 Regionen in Deutschland \u00fcberpr\u00fcft, sondern auch an ca. 300 Regionen in Europa sowie in den USA, Kanada und Indien. Demnach handelt es sich mittlerweile also um ein Modell mit sehr hoher Prognosekraft. <a href=\"https:\/\/www.ufz.de\/index.php?en=40114\">Informationen<\/a> zu diesem Modell und dem Vorgehen finden sich auf der Homepage des Helmholtz Zentrums f\u00fcr Umweltforschung. Das Modell selbst ist in verschiedenen Publikationen <a href=\"https:\/\/iopscience.iop.org\/article\/10.1088\/1748-9326\/11\/7\/074002\/pdf\">hier<\/a>, <a href=\"https:\/\/agupubs.onlinelibrary.wiley.com\/doi\/epdf\/10.1029\/2008WR007327\">hier<\/a> oder <a href=\"https:\/\/agupubs.onlinelibrary.wiley.com\/doi\/epdf\/10.1029\/2012WR012195\">hier<\/a> beschrieben. Auf den Seiten des Helmholtz Zentrums k\u00f6nnen \u00fcbrigens auch die zugeh\u00f6rigen Daten heruntergeladen und eingesehen werden &#8211; insgesamt also ein gutes Beispiel f\u00fcr transparente Wissenschaft!!!&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Vergleichen wir abschlie\u00dfend noch die oben gezeigten Darstellungen. Insbesondere der Vergleich der D\u00fcrre bis zu 1,8 m Tiefe (links) einerseits und der Oberfl\u00e4chenfeuchtigkeit (Mitte) oder des Pflanzen-verf\u00fcgbaren Wassers (rechts) andererseits l\u00f6st den Widerspruch auf, den wir oben dargestellt haben. Obwohl es zuletzt in einigen Bereich in Deutschland geregnet hat und damit die Oberfl\u00e4chenfeuchtigkeit zugenommen hat, herrscht als Folge der hei\u00dfen und trockenen Sommer 2018 und 2019 in der Tiefe nach wie vor hohe D\u00fcrre vor. Und vergessen wir auch nicht, dass es auch in diesem Fr\u00fchjahr weit verbreitet sehr trocken war. In der medialen Aufmerksamkeit um die Corona-Pandemie ist dies etwas untergegangen. <\/p>\n\n\n\n<p>Im rechten Teil der Abbildung wird das sogenannte <strong>Pflanzen-verf\u00fcgbare Wasser<\/strong> dargestellt. Was verstehen wir darunter? Es handelt sich um das Wasser im Boden, welches von Pflanzen aufgenommen werden kann. Dazu muss sich das Wasser in mittelgro\u00dfen Poren befinden, wo es mehrere Tage im Boden vorgehalten werden kann. Sind die Poren zu klein, schaffen es die Pflanzen nicht, das Wasser gegen die Adh\u00e4sionskr\u00e4fte aus der Erde zu saugen. Sind die Poren zu gro\u00df, versickert das Wasser zu schnell oder l\u00e4uft einfach ab. Man spricht dann \u2013 etwas abstrakt \u2013 von der nutzbaren Feldkapazit\u00e4t (nFK). Als ungef\u00e4hren Richtwert kann man sich merken: Liegt der Wert unter 30% nFK, setzt bei Pflanzen der Trockenstress ein. Bei Werten unter 50% nFK m\u00fcssen Felder bew\u00e4ssert werden, um einen optimalen Ertrag zu erreichen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Und \u00fcbrigens:<\/strong> Die Trockenheit in 2018\/2019 ist die st\u00e4rkste D\u00fcrre der letzen 250 Jahre, wie eine neue <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41598-020-68872-9\">Studie<\/a> zeigt. Diese Studie zeigt auch, dass solche Ereignisse mit fortschreitendem Klimawandel h\u00e4ufiger zu erwarten sind. Und: Da unser Trinkwasser oft aus Grundwasser gewonnen wird, ist ein genaues Verfolgen der Bodenfeuchte auch in dieser Hinsicht von Bedeutung.&nbsp;Und vielleicht denkt der eine oder die andere auch mal \u00fcber den eigenen Wasserverbrauch nach. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Tage erreichen uns immer wieder die Meldungen \u00fcber Wassermangel, trockene B\u00f6den und Ernteeinbu\u00dfen. In manchen Regionen wurde die Nutzung von Trinkwasser eingeschr\u00e4nkt und in Lauenau in Niedersachsen mussten die Bewohner gar von der Feuerwehr mit Frischwasser versorgt und Trinkwasser im Supermarkt gekauft werden. 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