{"id":3444,"date":"2020-12-04T21:21:19","date_gmt":"2020-12-04T21:21:19","guid":{"rendered":"http:\/\/klimaandmore.de\/?p=3444"},"modified":"2020-12-28T20:30:01","modified_gmt":"2020-12-28T20:30:01","slug":"der-rueckgang-der-insekten-nimmt-dramatische-ausmasse-an-die-wissenschaftliche-basis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/klimaandmore.de\/?p=3444","title":{"rendered":"Der R\u00fcckgang der Insekten nimmt dramatische Ausma\u00dfe an: die wissenschaftliche Basis"},"content":{"rendered":"\n<p>Bei der Diskussion um die Ursachen des Insektenr\u00fcckgangs wird h\u00e4ufig die <a href=\"https:\/\/journals.plos.org\/plosone\/article\/file?id=10.1371\/journal.pone.0185809&amp;type=printable\">Krefelder Studie<\/a> aus dem Jahre 2017 zitiert. Auch wir haben dar\u00fcber <a href=\"https:\/\/klimaandmore.de\/?p=1236\">berichtet<\/a>. Wesentliches Ergebnis dieser Studie war, dass die Biomasse an Insekten in den Untersuchungsgebieten in den letzten Jahren durchschnittlich um etwa 75% zur\u00fcckgegangen ist. Diese wissenschaftlichen Erkenntnisse werden allerdings nicht von allen geteilt. Teilweise werden die Ergebnisse der Studie sogar aktiv in Frage gestellt oder gar die ganze Studie diskreditiert. Grund genug, dieses Thema erneut aufzugreifen und zu vertiefen&#8230;..<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter is-resized\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/klimaandmore.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Artenvielfalt_Wissenschaft-1-875x1024.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-3455\" width=\"266\" height=\"311\" srcset=\"https:\/\/klimaandmore.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Artenvielfalt_Wissenschaft-1-875x1024.png 875w, https:\/\/klimaandmore.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Artenvielfalt_Wissenschaft-1-256x300.png 256w, https:\/\/klimaandmore.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Artenvielfalt_Wissenschaft-1-768x899.png 768w, https:\/\/klimaandmore.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Artenvielfalt_Wissenschaft-1.png 1242w\" sizes=\"(max-width: 266px) 100vw, 266px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>So h\u00f6rten wir vor kurzem doch tats\u00e4chlich, dass die Krefelder Studie irref\u00fchrend sei, weil es im Fr\u00fchjahr 2017 einen starken Frost gegeben habe und dies urs\u00e4chlich sei f\u00fcr den in der Studie beschriebenen R\u00fcckgang der Insekten. Diese Aussage zeigt, dass diejenigen, die diese Aussage t\u00e4tigen, sich entweder nicht die M\u00fche gemacht haben, die Studie im Original anzuschauen; oder aber andere Absichten verfolgen und die Studie absichtlich falsch darstellen. Fakt ist, dass die Krefelder Studie im Jahr 2017 ver\u00f6ffentlich wurde. Tats\u00e4chlich aber enth\u00e4lt die Studie gar keine Daten aus 2017. Der Erfassungszeitraum der Studie war von 1989 bis 2016 &#8211; bis zur Ver\u00f6ffentlichung in 2017 wurden die Daten ausgewertet. Anschlie\u00dfend hat das wissenschaftliche Manuskript &#8211; wie bei guten wissenschaftlichen Ver\u00f6ffentlichungen \u00fcblich &#8211; einen Begutachtungsprozess durchlaufen. Dabei \u00fcberpr\u00fcfen andere Wissenschaftler*innen die Aussagen der Autoren, z.B. ob die gezogen Schl\u00fcsse wissenschaftlich haltbar sind. Diese Begutachtung l\u00e4uft \u00fcbrigens unentgeltlich ab, d.h. die Gutachter*innen erhalten f\u00fcr diese Aufgabe entsprechend kein Geld in Form eines Honorars.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was wurde in der Krefelder Studie gemessen?<\/strong> Insekten wurden mit Hilfe spezieller Fallen gesammelt und gewogen, um die sogenannte Biomasse zu ermitteln. Und die ist \u00fcber viele Jahre im Schnitt um ungef\u00e4hr 75% gesunken. Die Biomasse wird hier als einfache Messgr\u00f6\u00dfe f\u00fcr die Anzahl der Insekten genommen. Was sagen die Zahlen nicht aus? Nicht alle Insektenarten sind um 75% zur\u00fcck gegangen. Manche m\u00f6gen auch vermehrt auftreten, andere hingegen k\u00f6nnten schon verschwunden sein. Um hier genaue Aussagen zu treffen, br\u00e4uchte es weitere Analyseverfahren.<\/p>\n\n\n\n<p>Und die gibt es. <strong>Mittlerweile kommen mehr und mehr Studien hinzu<\/strong>, welche die Ergebnisse der Krefelder Studie unterst\u00fctzen. Auch wurden diese Studien in verschiedenen Staaten durchgef\u00fchrt: neben Deutschland z.B. in Gro\u00dfbritannien, den Niederlanden, Belgien, D\u00e4nemark, Finnland oder den USA und Kanada. Anders ausgedr\u00fcckt: die Krefelder Studie ist nur eine unter vielen. So wurde beispielsweise in verschiedenen Studien der R\u00fcckgang an Schmetterlingen untersucht. Andere Studien untersuchten andere Tiere wie Wildbienen oder Hummeln, verschiedene Laufk\u00e4ferarten, Pillendreherk\u00e4fer, Libellen, Zikaden oder Heuschrecken. Wer es genauer wissen m\u00f6chte: Referenzen dazu finden sich u.a. in der Stellungnahme der Leopoldina (Deutschlands Nationale Akademie der Wissenschaften), die wir weiter unten zitieren. <strong>Und alle Studien kommen zu demselben Ergebnis: In vielen Insektenpopulationen ist ein massiver R\u00fcckgang zu beobachten.&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Um den Ursachen des Insekten-R\u00fcckgangs fundiert auf den Grund zu gehen, f\u00fchrt die Wissenschaft sogenannte Meta-Analysen durch. Dabei werden viele Studien vergleichend ausgewertet und so ein \u00dcberblick \u00fcber eine aufgeworfene Frage gewonnen. So zeigt eine <a href=\"https:\/\/reader.elsevier.com\/reader\/sd\/pii\/S0006320718313636?token=3A2C528304B1777F8D9C3FED5FBC586F8B834AAD6E219FA89DEE0D30930227AF303632E7A56AD7CB4187F7E012D0896F\">Meta-Analyse<\/a> aus dem Jahr 2019, die insgesamt 73 Originalarbeiten betrachtet hat, dass <strong>die intensive Landwirtschaft f\u00fcr fast 50% des Insektenr\u00fcckgangs verantwortlich ist<\/strong>. Die Stichworte in diesem Zusammenhang sind beispielhaft Pestizide, Herbizide, Monokulturen, Verlust an kleinteiligen Fl\u00e4chen, Verlust an Hecken und \u00dcberd\u00fcngung. Eine andere <a href=\"https:\/\/onlinelibrary.wiley.com\/doi\/abs\/10.1111\/gcb.14606\">Studie<\/a> zeigte, dass die intensive Landwirtschaft zwar ihre Produktivit\u00e4t erh\u00f6ht, allerdings auf Kosten der Artenvielfalt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Gerne werden in der Diskussion aber auch Argumente vorgebracht, die ganz andere Ursachen f\u00fcr den R\u00fcckgang der Insekten verantwortlich machen und damit die Landwirtschaft als gar nicht so schlimm eingestuft wird. Tats\u00e4chlich k\u00f6nnen diese weiteren diskutierten Ursachen aber eben gerade nicht diesen dramatischen R\u00fcckgang bei den Insekten erkl\u00e4ren, sondern nur kleinere Teilaspekte. In der Wissenschaft spricht man von einem sogenannten Strohmann Argument.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Leopoldina hat diese anderen Ursachen erst k\u00fcrzlich in einer <a href=\"https:\/\/www.leopoldina.org\/uploads\/tx_leopublication\/2020_Akademien_Stellungnahme_Biodiversit\u00e4t.pdf\">Stellungnahme<\/a> beleuchtet und bewertet. So tr\u00e4gt Lichtverschmutzung zum R\u00fcckgang der Insekten bei (wir <a href=\"https:\/\/klimaandmore.de\/?p=726\">berichteten<\/a>). Bei den meisten oben genannten Untersuchungen geht es aber um Tag-aktive Spezies. Und ja, auch Fahrzeuge, z.B. auf Autobahnen, t\u00f6ten Insekten. Allerdings werden viele Studien wie auch die Krefelder Studie fernab von Stra\u00dfen durchgef\u00fchrt. Und ja, auch Windkraftanlagen t\u00f6ten Insekten. Tats\u00e4chlich jedoch werden die genannten Studien meist in Bereichen ohne Windkraftanlage durchgef\u00fchrt. Und: Die meisten Insekten leben in Bodenn\u00e4he und halten sich gar nicht in den H\u00f6hen auf, in denen die modernsten Windkraftanlagen arbeiten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>So ein wenig erinnert uns die Diskussion im Zusammenhang mit dem Insektensterben an diejenige um den Klimawandel. So h\u00f6rt man dort <strong>Gegenstimmen<\/strong> von Klimawandelleugnern wie: \u201eEs gibt den Klimawandel nicht, es fehlen wissenschaftliche Evidenzen. Die Studien sind fehlerhaft und so lange das nicht zu 100% bewiesen ist, brauchen wir auch nichts zu machen.\u201c \u2013 \u201eAch so, die Wissenschaft ist sich einig, dass es den Klimawandel gibt? Na gut, dann gibt es den Klimawandel halt, aber er hat definitiv nichts mit uns Menschen zu tun. Das hat es doch schon immer gegeben.\u201c \u2013 \u201eAch so, Ihr k\u00f6nnt beweisen, dass es der Mensch ist? Na gut, aber wir k\u00f6nnen halt nichts machen, viel zu teuer, die Wirtschaft wird leiden &#8230;.\u201c. Wer m\u00f6chte, kann jetzt einfach den Begriff Klimawandel durch Insektensterben oder R\u00fcckgang der Artenvielfalt austauschen und wird \u00e4hnliche Muster erkennen&#8230;. Wenn es um <strong>Wissenschaftsleugnung<\/strong> geht, finden sich immer wieder die gleichen <a href=\"https:\/\/www.klimafakten.de\/sites\/default\/files\/downloads\/plurvgrundkurs-desinformationa3web.pdf\">Argumentationsmuster<\/a>.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Und f\u00fcr manche ist es einfach nur bequem, nichts zu \u00e4ndern.&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wer noch mehr lesen will:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Segerer\/Rosenkranz, Das gro\u00dfe Insektensterben, Oekom Verlag, 2018<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei der Diskussion um die Ursachen des Insektenr\u00fcckgangs wird h\u00e4ufig die Krefelder Studie aus dem Jahre 2017 zitiert. Auch wir haben dar\u00fcber berichtet. Wesentliches Ergebnis dieser Studie war, dass die Biomasse an Insekten in den Untersuchungsgebieten in den letzten Jahren durchschnittlich um etwa 75% zur\u00fcckgegangen ist. 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