{"id":3684,"date":"2021-03-10T19:46:43","date_gmt":"2021-03-10T19:46:43","guid":{"rendered":"http:\/\/klimaandmore.de\/?p=3684"},"modified":"2021-03-11T18:33:56","modified_gmt":"2021-03-11T18:33:56","slug":"die-sache-mit-den-videokonferenzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/klimaandmore.de\/?p=3684","title":{"rendered":"Die Sache mit den Videokonferenzen"},"content":{"rendered":"\n<p>Da Pr\u00e4senz-Vortr\u00e4ge und pers\u00f6nliche Treffen aufgrund der Corona Pandemie aktuell nur sehr eingeschr\u00e4nkt bis gar nicht m\u00f6glich sind, haben auch wir wie viele andere unsere Vortr\u00e4ge in den virtuellen Raum verlegt. Bei einem dieser Vortr\u00e4ge kam die Frage auf, wie klimasch\u00e4dlich eigentlich solche virtuellen Treffen sind. Dieser Frage wollen wir heute nachgehen\u2026<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Zur Beantwortung dieser Frage m\u00fcssen wir zwei Rechnungen gegen\u00fcberstellen. Auf der einen Seite die Berechnung des&nbsp;<strong>CO<sub>2<\/sub>-Aussto\u00dfes, der bei einem Pr\u00e4senz-Vortrag<\/strong> oder pers\u00f6nlichen Treffen&nbsp;anf\u00e4llt. Dazu z\u00e4hlen die Emissionen, die bei der An- und Abreise anfallen sowie bei l\u00e4ngeren Treffen auch jene, die bei einer \u00dcbernachtung im Hotel zu Buche schlagen. Auch m\u00fcssten die Treibhausgasemissionen f\u00fcr die Bereitstellung und das Betreiben des Vortragsraumes einbezogen werden. Bei kleineren Veranstaltungen, die vielleicht nur 2-3 Stunden dauern, sind letztere zu vernachl\u00e4ssigen und werden deswegen hier nicht weiter ber\u00fccksichtigt. Bei sehr gro\u00dfen Veranstaltungen w\u00e4ren auch sowohl die \u00dcbernachtungs- als auch die Infrastrukturaspekte relevant. \u00dcber den CO<sub>2<\/sub>-Aussto\u00df, der in Abh\u00e4ngigkeit von Strecke und Transportmittel auf Dienstreisen anf\u00e4llt, haben wir <a href=\"https:\/\/klimaandmore.de\/?p=1621\">hier<\/a> bereits berichtet.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Auf der anderen Seite stehen die&nbsp;<strong>CO<sub>2<\/sub>-Emissionen, die durch eine Videokonferenz<\/strong>&nbsp;anfallen. Alle Treibhausgasemissionen fallen hier durch den Stromverbrauch an. Dazu geh\u00f6rt das Betreiben eines Laptops oder station\u00e4ren PCs mit einem Monitor f\u00fcr jede*n Teilnehmer*in, die Bereitstellung und der Betrieb des WLAN-Systems am Arbeitsplatz oder zu Hause, sowie der Strom f\u00fcr den Betrieb des Rechenzentrums und des Festnetzes zur Daten\u00fcbertragung. Dar\u00fcber hinaus f\u00e4llt Strom f\u00fcr die Daten\u00fcbertragung an. Wie hoch ist also die durchschnittliche Leistungsaufnahme von Computer, Monitor und WLAN-System? Wie hoch ist das Datenvolumen einer Videokonferenz? Wie viel Energie wird ben\u00f6tigt, um dieses Datenvolumen zu transportieren? Wie viel Energie ben\u00f6tigt ein Rechenzentrum? Und: Wie viel CO<sub>2<\/sub>f\u00e4llt dabei an?<\/p>\n\n\n\n<p>Das Borderstep Institut f\u00fcr Innovation und Nachhaltigkeit ist dieser Frage k\u00fcrzlich in einer <a href=\"https:\/\/www.borderstep.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/AP3-5_Literaturauswertung_07122020.pdf\">Studie<\/a> nachgegangen, so dass wir die wesentlichen Erkenntnisse und Zahlen dieser Studie hier rekapitulieren wollen. Gleich zu Beginn ist anzumerken, dass in dieser Studie mit einem Emissionswert von 468 g CO<sub>2<\/sub>&nbsp;pro Kilowattstunde Strom gerechnet wurde, der sich f\u00fcr den deutschen Strommix ergibt. Dies bedeutet, dass sich alle nachfolgenden Rechnungen besser darstellen, wenn zum Betreiben der elektronischen Ger\u00e4te, der Rechenzentren oder der Infrastruktur regenerativer Strom benutzt w\u00fcrde.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Untersuchung ist das Borderstep Institut von einem Datenvolumen von 660 MB pro Stunde Videokonferenz ausgegangen. Diese Zahl bezieht sich auf das Datenvolumen, welches jede*r Teilnehmende w\u00e4hrend dieser Konferenz empf\u00e4ngt und sendet (also Up -und Download). Dabei handelt es sich um einen Wert im mittleren Bereich vergleichender Untersuchungen. Auch f\u00fcr den Energiebedarf zum Versenden dieser Datenmenge im Festnetz (0,075 kWh\/GB) und in den Rechenzentren (0,0321 kWh\/GB) liegen Daten vor, die f\u00fcr die Betrachtung verwendet werden k\u00f6nnen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Daraus kann man dann f\u00fcr eine Videokonferenz einen Wert f\u00fcr die CO<sub>2<\/sub>-Emission pro Teilnehmenden und pro Stunde berechnen. Je nach verwendetem Rechner, also PC mit Monitor oder ein Notebook, liegt dieser gerundete Werte bei 46-68 g CO<sub>2<\/sub>&nbsp;pro Teilnehmenden und Stunde.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit diesen Werten l\u00e4sst sich nun der CO<sub>2<\/sub>-Aussto\u00df berechnen, der eine Videokonferenz insgesamt verursacht und in Vergleich zu jenen Emissionen setzen, die anfallen, w\u00fcrde eine bestimmte Anzahl von Personen zu einem pers\u00f6nlichen Treffen anreisen. Wie das Borderstep Institut auch wollen wir hier einige Vergleiche anstellen. Dabei wollen wir uns auf unseren vorherigen <a href=\"https:\/\/klimaandmore.de\/?p=1621\">Blogbeitrag<\/a> beziehen, bei dem wir den Einfluss des Verkehrsmittels einer Dienstreise auf den CO<sub>2<\/sub>-Aussto\u00df berechnet haben. Nehmen wir ein Treffen \u00fcber einen halben Tag, also 4 Stunden, in Berlin an. An dem Treffen sollen vier Personen teilnehmen, zwei die aus Berlin kommend und praktisch keine Emissionen bei der Anreise verursachend, und zwei Personen, die von unserer Heimatregion Ulm extra f\u00fcr dieses Treffen nach Berlin reisen. Wir haben damals schon festgestellt, dass bei der An- und Abreise nach Berlin mit dem Flugzeug f\u00fcr diese beiden Personen zusammen 570 kg CO<sub>2<\/sub>&nbsp;anfallen, mit dem Auto etwa 240 kg und mit dem Zug 22 kg.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wie sieht es nun mit der Videokonferenz aus? Eine Videokonferenz mit 4 Personen setzt w\u00e4hrend eines 4-st\u00fcndigen Treffens unter Ber\u00fccksichtigung der oben genannten Zahlen zwischen 0,74 und 1,09 kg CO<sub>2<\/sub>, also etwa 1 kg frei. Vergleichen wir dies mit den oben genannten Werten, ergibt sich das CO<sub>2<\/sub>-Einsparpotential einer Videokonferenz von 86% im Vergleich zu Bahn und mehr als 99% im Vergleich zu Auto oder Flugzeug.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"994\" src=\"https:\/\/klimaandmore.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Videokonferenz-1024x994.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-3686\" srcset=\"https:\/\/klimaandmore.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Videokonferenz-1024x994.png 1024w, https:\/\/klimaandmore.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Videokonferenz-300x291.png 300w, https:\/\/klimaandmore.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Videokonferenz-768x745.png 768w, https:\/\/klimaandmore.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Videokonferenz-1536x1490.png 1536w, https:\/\/klimaandmore.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Videokonferenz.png 1753w\" sizes=\"(max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption><strong>Abbildung 1:<\/strong> Vergleich der Treibhausgasemissionen f\u00fcr ein fiktives Pr\u00e4senztreffen im Vergleich zu einer Videokonferenz. Es treffen sich jeweils 2 Personen aus Ulm und 2 Personen aus Berlin. In A findet das Treffen in Berlin, in B im virtuellen Raum statt.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Anders s\u00e4he die Berechnung aus, wenn die Videokonferenz lokal stattfindet und alle 4 Teilnehmenden f\u00fcr die Anreise zum Treffen keine Treibhausgase aussto\u00dfen, weil sie beispielsweise mit dem Fahrrad oder zu Fu\u00df zum Veranstaltungsort gelangen. In diesem Fall w\u00fcrde zwar immer noch etwa 1 kg CO<sub>2<\/sub>  f\u00fcr die 4-st\u00fcndige Videokonferenz mit 4 Personen anfallen, nicht jedoch bei einem Treffen in Pr\u00e4senz.\u00a0<strong>Daraus l\u00e4sst sich ableiten, dass die Videokonferenz gegen\u00fcber einem Pr\u00e4senz-Treffen umso besser abschneidet, je mehr Teilnehmende eine weite Anreise haben.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Und vielleicht fragt sich ja auch jemand von Euch, ob die unterschiedlichen Videokonferenz-Programme unterschiedlich viel Energie schlucken. Eine neue <a href=\"https:\/\/greenspector.com\/en\/which-video-conferencing-mobile-application-to-reduce-your-impact\/\">Studie<\/a> hat dies mal genauer untersucht \u2013 mit interessanten Ergebnissen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Zusammenhang sollten allerdings immer auch die sozialen Aspekte eines pers\u00f6nlichen Treffens mit abgewogen werden. Der pers\u00f6nliche Austausch mit Personen in einem direkten Kontakt ist f\u00fcr uns Menschen als soziale Wesen wertvoll und unersetzbar. Der gleiche Zusammenhang gilt \u00fcbrigens auch f\u00fcr das Home Office. Die T\u00e4tigkeit zu Hause vermeidet die CO<sub>2<\/sub>-Emissionen f\u00fcr das Pendeln zur Arbeitsst\u00e4tte. Interessant in diesem Zusammenhang ist \u00fcbrigens auch eine weitere <a href=\"https:\/\/www.borderstep.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/AP3-5_Repraesentativbefragung-11-02-2021.pdf\">Studie<\/a> des Borderstep Instituts, die sich mit dem CO<sub>2<\/sub>-Einsparpotenzial des Home Office besch\u00e4ftigt. Das werden wir in einem Folgebeitrag genauer beleuchten und dazu konkrete Zahlen vorstellen. Aber auch hier gilt es, die besondere Bedeutung der sozialen Kontakte am Arbeitsplatz hervorzuheben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fazit<\/strong>: Die genannten Studien zeigen das gro\u00dfe Einsparpotenzial an Treibhausgasen, welches sich durch die richtige Nutzung virtueller Treffen ergeben. Vermutlich wird ein ge\u00e4ndertes Verhalten dazu beitragen, diese teilweise zu verwirklichen. Insbesondere aufgrund der sozialen Kontakte sind wir der Meinung, dass allerdings auch zuk\u00fcnftig pers\u00f6nliche Treffen wichtig und notwendig sind. Wie so oft im Leben hei\u00dft es an dieser Stelle wohl: <strong>Auf den richtigen Mix kommt es an.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da Pr\u00e4senz-Vortr\u00e4ge und pers\u00f6nliche Treffen aufgrund der Corona Pandemie aktuell nur sehr eingeschr\u00e4nkt bis gar nicht m\u00f6glich sind, haben auch wir wie viele andere unsere Vortr\u00e4ge in den virtuellen Raum verlegt. Bei einem dieser Vortr\u00e4ge kam die Frage auf, wie klimasch\u00e4dlich eigentlich solche virtuellen Treffen sind. 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