{"id":3766,"date":"2021-05-02T16:20:52","date_gmt":"2021-05-02T16:20:52","guid":{"rendered":"https:\/\/klimaandmore.de\/?p=3766"},"modified":"2021-05-02T16:20:52","modified_gmt":"2021-05-02T16:20:52","slug":"soja-und-der-urwald-die-fortsetzung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/klimaandmore.de\/?p=3766","title":{"rendered":"Soja und der Urwald \u2013 Die Fortsetzung"},"content":{"rendered":"\n<p>Gerne wird in der \u00d6ffentlichkeit argumentiert, die industrielle Fleischproduktion auch in Deutschland sei verantwortlich f\u00fcr den Raubbau im s\u00fcdamerikanischen Regenwald. Auf den entwaldeten Fl\u00e4chen entstehen Weiden sowie Sojaplantage und das Soja wird auch bei uns in der Fleischproduktion in Form von Sojaschrot verf\u00fcttert. Auch wir haben dies in einem <a href=\"https:\/\/klimaandmore.de\/?p=1835\">Blogbeitrag<\/a> so dargestellt. Immer wieder einmal h\u00f6ren wir allerdings das Argument, Sojaschrot sei ja eigentlich nur ein Neben- oder gar Abfallprodukt bei der Herstellung von Soja\u00f6l und es k\u00f6nne ja nicht verwerflich sein, auch das zu nutzen, was ansonsten niemand will. Grund genug f\u00fcr uns, dieser Frage einmal nachzugehen&#8230;.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/klimaandmore.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Bildschirmfoto-2021-05-01-um-22.37.16-1024x430.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-3778\" width=\"530\" height=\"223\" srcset=\"https:\/\/klimaandmore.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Bildschirmfoto-2021-05-01-um-22.37.16-1024x430.png 1024w, https:\/\/klimaandmore.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Bildschirmfoto-2021-05-01-um-22.37.16-300x126.png 300w, https:\/\/klimaandmore.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Bildschirmfoto-2021-05-01-um-22.37.16-768x323.png 768w, https:\/\/klimaandmore.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Bildschirmfoto-2021-05-01-um-22.37.16-1536x645.png 1536w, https:\/\/klimaandmore.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Bildschirmfoto-2021-05-01-um-22.37.16.png 1866w\" sizes=\"(max-width: 530px) 100vw, 530px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Wir wollen uns der Antwort historisch ann\u00e4hern. Die Sojapflanze ist eine Leguminose (H\u00fclsenfrucht) und wie die meisten Leguminosen ist sie nicht auf Stickstoff im Boden angewiesen. Bakterien, die sich in ihrem Wurzelwerk ansiedeln, sind in der Lage, Stickstoff aus der Luft zu fixieren. Daher wurde Soja fr\u00fcher zur Verbesserung des Bodens, also als D\u00fcnger, eingesetzt. Aus den Fr\u00fcchten, den Sojabohnen, wurde dann in sogenannten \u00d6lm\u00fchlen Soja\u00f6l gewonnen &#8211; und das Sojaschrot war damit urspr\u00fcnglich tats\u00e4chlich ein Abfallprodukt. Im ersten Weltkrieg stieg der Bedarf an Soja in den USA dramatisch an, da Soja\u00f6l als Rohstoff f\u00fcr die Herstellung von Nitrogylcerin (Bestandteil von Sprengstoff) verwendet wurde. Um das Sojaschrot weiter zu verwenden, wurden Werbekampagnen gestartet, um den Fleischkonsum anzuregen. Sojaschrot wurde folglich in gro\u00dfem Umfang als Futtermittel in der Tierhaltung eingef\u00fchrt. <strong>Aber kann man deswegen Sojaschrot auch heute noch als Abfallprodukt bezeichnen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Aufarbeitung der Sojabohne entstehen laut <a href=\"https:\/\/www.landwirtschaft.de\/diskussion-und-dialog\/umwelt\/soja-nahrungsmittel-fuer-tier-und-mensch\">Bundesanstalt f\u00fcr Landwirtschaft und Ern\u00e4hrung<\/a>  aus einer Tonne Sojabohnen etwa 200 kg Soja\u00f6l und 800 kg Sojaschrot. Mengenm\u00e4\u00dfig entsteht damit deutlich mehr Schrot als \u00d6l. <strong>Sojaschrot<\/strong> wird heute, wie bereits angedeutet, in der Landwirtschaft als Nahrungserg\u00e4nzung an Tiere verf\u00fcttert. Im Wesentlichen an Schweine und H\u00fchner, in geringerem Umfang auch an Rinder &#8211; und auch in der konventionellen Milchviehhaltung.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber was machen wir mit dem <strong>Soja\u00f6l<\/strong>? Aus Soja\u00f6l k\u00f6nnen sogenannte Tenside f\u00fcr Waschmittel und Weichmacher hergestellt werden. Letztere finden sich z.B. in Klarsichtfolien oder in den Dichtungen von Kronenkorken. Es findet sich in Druckerfarben, in Kosmetika und Cremes. Insbesondere in den USA finden wir Soja\u00f6l auch in Nahrungsmitteln wie Salat\u00f6l und Margarine. Auch in <a href=\"http:\/\/(https:\/\/www.beweka.com\/service\/rohstoffe\/eintrag\/sojaoel.html?fbclid=IwAR2HjQbY2Q2_mPyK3qdnVAIDLwJod_2PSY5Ez_vIQFYnRPzgXYhNtopdTJo)\">Tiernahrung<\/a> wird Soja\u00f6l eingesetzt. Au\u00dferdem kann Soja\u00f6l zu Biodiesel weiterverarbeitet werden. Alles in allem ist also auch Soja\u00f6l ein interessantes Produkt. Insbesondere die Verwendung als Treibstoff stellt allerdings eine T\u00fccke dar, da die Gefahr besteht, dass wertvoller Regenwald letztlich f\u00fcr die Produktion von vermeintlich \u00f6kologischem Treibstoff geopfert wird.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Stimmt es nun aber, dass das Sojaschrot nicht anderweitig verwendet werden kann? Auch hier kann man geteilter Meinung sein. Sojabohnen werden ja nicht nur f\u00fcr die Produktion von \u00d6l und Schrot angebaut. Aus ihnen lassen sich auch hochwertige Lebensmittel produzieren. Der Eiwei\u00dfanteil ist mit etwa 40% sehr hoch. Von Tofu, Sojasauce und Sojamilch haben bestimmt schon viele geh\u00f6rt. Auch Miso und Tempeh werden auf Sojabasis hergestellt. Und auch Sojaschrot wird in der Lebensmittelproduktion verwendet. Viele vegetarische Nahrungsmittel f\u00fcr uns Menschen enthalten also entsprechend aufgearbeitetes Soja als Ausgangsmaterial. Insgesamt werden aber nur etwa 2% der weltweiten Sojaernte direkt f\u00fcr Lebensmittel eingesetzt. Der Vorwurf, der manchmal an\u00a0<strong>Vegetarier und Veganer<\/strong>\u00a0erhoben wird, sie w\u00e4ren f\u00fcr die Zerst\u00f6rung des Regenwalds mit verantwortlich, ist daher mit Sicherheit falsch. Unabh\u00e4ngig davon, ob ich nun das Soja\u00f6l oder den Sojaschrot als Haupt- bzw. Nebenprodukt bezeichne: 98% der weltweit produzierten Sojabohnen werden nicht direkt als Nahrungsmittel f\u00fcr Menschen verwendet. In diesem Zusammenhang f\u00fcr uns auch relevant: In S\u00fcdamerika werden gro\u00dfe Fl\u00e4chen mit gentechnisch-ver\u00e4nderten Soja bepflanzt, was in Deutschland f\u00fcr die Nahrungsmittelproduktion nicht zugelassen ist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was ist denn nun das Hauptprodukt der Sojabohne und was der Abfall?\u00a0<\/strong>Da Sojaschrot und Soja\u00f6l immer zusammen hergestellt werden, d.h. ohne \u00d6l kein Schrot und ohne Schrot kein \u00d6l, ist diese Frage unseres Erachtens nicht zu beantworten. In diesem Zusammenhang macht es aber Sinn, den Wert der beider Produkte zu betrachten. 1 Tonne Soja\u00f6l wurde in 2020 und Anfang 2021 bis Februar mit <a href=\"https:\/\/www.indexmundi.com\/de\/rohstoffpreise\/?ware=sojaol&amp;monate=12&amp;wahrung=eur\">630-850 Euro<\/a> gehandelt, Sojaschrot mit ca. 450 Euro die Tonne (Stand, 1.5.2021, siehe den aktuellen Preis <a href=\"https:\/\/markt.agrarheute.com\/futtermittel-3\/sojaschrot-16\">hier<\/a>). Das bedeutet also, dass man f\u00fcr die 200 kg Soja\u00f6l, die aus einer Tonne Sojabohnen entstehen, etwa 170 Euro bekommt, f\u00fcr die 800 kg \u201eAbfallprodukt\u201c allerdings 360 Euro. In anderen Worten: 31 % des Wertes werden aus dem \u00d6l, 69 % des Wertes aus dem Schrot gezogen. Nun mag jeder selbst entscheiden, was hier das Hauptprodukt und was der Abfall ist. Ganz offensichtlich ist es aber so, dass man mit dem Sojaschrot mehr Geld verdienen kann, als mit dem Soja\u00f6l.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Betrachtet man aber die Preisentwicklung f\u00fcr Soja\u00f6l seit Februar 2021, erkennt man ein anderes Problem. Zuletzt ist der Preis bis Anfang Mai auf fast <a href=\"https:\/\/www.ufop.de\/agrar-info\/proteinmarktpreise\/\">1250 Euro<\/a> pro Tonne gestiegen. Der Wertanteil des \u00d6l aus den Sojabohnen steigt damit auf ca. 40%. Was war der Grund f\u00fcr diesen Anstieg? Ursache dieses Preisanstiegs war die Erkl\u00e4rung des amerikanischen Pr\u00e4sidenten Joe Biden, dass die USA bist 2030 ihre Treibhausgasemissionen halbieren wollen &#8211; und damit Soja\u00f6l als nachwachsender, scheinbar klimaneutraler Treibstoff gehandelt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings ist auch Soja\u00f6l ein Produkt, welches in vielen Wirtschaftszweigen Verwendung findet. Ein besonderes Augenmerk muss darauf liegen, dass Soja\u00f6l aus ehemaligen Urwaldregionen nicht in gro\u00dfem Stil im Tank landet &#8211; als angeblich klimaneutraler Treibstoff. Letzteres gilt \u00fcbrigens auch f\u00fcr Palm\u00f6l, f\u00fcr dessen Herstellung ebenso Regenwald geopfert wird; allerdings nicht in S\u00fcdamerika sondern in S\u00fcdostasien, beispielsweise Indonesien.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Unser Fazit:\u00a0<\/strong>Solange beide Produkte einen kommerziellen Wert haben, kann man schlicht weder das eine, noch das andere Produkt als Abfall bezeichnen. Das meiste Geld pro eingesetzter Tonne Sojabohnen wird aktuell mit Schrot verdient. Und w\u00e4re es nicht in vielen F\u00e4llen gentechnisch ver\u00e4ndert, so k\u00f6nnten auch wir Menschen die zugrundeliegenden Sojabohnen in Nahrungsmitteln verwenden (Hinweis: Andere L\u00e4nder sehen die Regelungen bzgl. gentechnischer ver\u00e4nderter Organismen nicht so streng wie wir). Die Aussagen, Sojaschrot sei nur ein Abfallprodukt, den man nicht anders verwenden k\u00f6nne, erschlie\u00dft sich uns daher nicht. Nur k\u00f6nnen wir es aktuell nicht in diesen Mengen anderweitigverwenden.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcbertragen auf unsere Ausgangsfrage: Vielleicht sollte eine Landwirtschaft das Ziel sein, bei der nur so viele Tiere gehalten werden, so dass die heimischen Futtermittelpflanzen f\u00fcr die Ern\u00e4hrung der Tiere ausreichen. Bei manchen \u00d6ko-\/Biosiegeln ist dieses Wirtschaften f\u00fcr die entsprechenden Bio-Landwirte verpflichtend.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Und ja, wenn wir weniger Soja\u00f6l f\u00fcr die Mobilit\u00e4t haben, weil wir weniger Sojaschrot f\u00fcr die Tierproduktion herstellen, m\u00fcssen wir dieses ersetzen. Wie w\u00e4re es mit E-Mobilit\u00e4t auf Basis regenerativen Stroms (Batterie oder Wasserstoff)&nbsp;statt Biodiesel im Verbrennungsmotor auf Basis von Soja- und Palm\u00f6l?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gerne wird in der \u00d6ffentlichkeit argumentiert, die industrielle Fleischproduktion auch in Deutschland sei verantwortlich f\u00fcr den Raubbau im s\u00fcdamerikanischen Regenwald. Auf den entwaldeten Fl\u00e4chen entstehen Weiden sowie Sojaplantage und das Soja wird auch bei uns in der Fleischproduktion in Form von Sojaschrot verf\u00fcttert. Auch wir haben dies in einem Blogbeitrag so dargestellt. 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