{"id":3878,"date":"2021-06-28T19:21:13","date_gmt":"2021-06-28T19:21:13","guid":{"rendered":"https:\/\/klimaandmore.de\/?p=3878"},"modified":"2021-06-28T19:21:13","modified_gmt":"2021-06-28T19:21:13","slug":"wie-sauber-ist-das-e-auto-in-seiner-nutzung-die-fortsetzung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/klimaandmore.de\/?p=3878","title":{"rendered":"Wie sauber ist das E-Auto in seiner Nutzung? Die Fortsetzung"},"content":{"rendered":"\n<p>Wir hatten bereits in einem fr\u00fcheren <a href=\"https:\/\/klimaandmore.de\/?p=3518\">Blogbeitrag<\/a> dar\u00fcber geschrieben, wie die CO<sub>2<\/sub>-Bilanz eines E-Autos im Vergleich zu einem Verbrenner aussieht. Dabei haben wir versucht, die unterschiedliche Literatur und die verschiedenen Studien zu dieser Thematik zu erkl\u00e4ren. Dieser Tage hat diese Diskussion durch den Beitrag einer Gruppe von Wissenschaftlern neues Futter erhalten. Diese sagen: E-Autos seien doch nicht so g\u00fcnstig f\u00fcr das Klima, wie immer behauptet. Grund daf\u00fcr sei ein Rechenfehler. Wir haben uns dies einmal genauer angeschaut und m\u00f6chten hier eine Bewertung dazu vornehmen.\u2026<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/klimaandmore.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Autos_Antriebe-1024x700.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-3882\" width=\"369\" height=\"251\" srcset=\"https:\/\/klimaandmore.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Autos_Antriebe-1024x700.png 1024w, https:\/\/klimaandmore.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Autos_Antriebe-300x205.png 300w, https:\/\/klimaandmore.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Autos_Antriebe-768x525.png 768w, https:\/\/klimaandmore.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Autos_Antriebe-1536x1050.png 1536w, https:\/\/klimaandmore.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Autos_Antriebe-2048x1400.png 2048w\" sizes=\"(max-width: 369px) 100vw, 369px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Wir hatten \u00fcber das Thema\u00a0<strong><a href=\"https:\/\/klimaandmore.de\/?p=3518\">CO<sub>2<\/sub>-Bilanz des E-Autos<\/a><\/strong>\u00a0schon einmal berichtet. Kurz zusammengefasst: Bei Inbetriebnahme hat ein E-Auto einen gr\u00f6\u00dferen CO<sub>2<\/sub>-Rucksack als ein Verbrenner, da die Herstellung der Batterie energieintensiv ist. Einfluss dabei hat die Gr\u00f6\u00dfe der Batterie und der Strom, der zu Herstellung verwendet wurde. Im Betrieb wird das E-Auto gemeinhin mit weniger CO<sub>2<\/sub>-Emissionen verbunden. So wird argumentiert, dass bei Nutzung von Kohlestrom die E-Autos auch nicht besser seien als Verbrenner, wohingegen bei Nutzung von \u00d6kostrom schnell die Vorteile des E-Autos \u00fcberwiegen. Es ist also offensichtlich, dass die CO<sub>2<\/sub>-Bilanz eines E-Autos w\u00e4hrend der Nutzungsphase in gro\u00dfem Ma\u00dfe davon abh\u00e4ngt, wie der Strom zum Tanken gewonnen wird.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Bei den meisten Studien wird f\u00fcr den Vergleich des E-Autos mit dem Verbrenner die CO<sub>2<\/sub>-Emissionen herangezogen, die durch die Herstellung des deutschen Strommixes hervorgerufen werden. Die Gruppe der bereits erw\u00e4hnten Wissenschaftler hat nunmehr einen offenen <a href=\"https:\/\/iastec.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/20210615-IASTEC-Letter.pdf\">Brief<\/a> an die EU-Kommission geschrieben und behauptet, dass basierend auf einer <a href=\"http:\/\/s875128239.online.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/ZAMM_2021_Accepted_Version-averaging-bias.pdf\">Publikation<\/a> aus dieser Gruppe die CO<sub>2<\/sub>-Bilanz des Autos deutlich untersch\u00e4tzt wird und sie tats\u00e4chlich bis zu 2-fach h\u00f6her ausfallen k\u00f6nne. Wie kommt diese Gruppe von Wissenschaftlern auf dieser Annahme?<\/p>\n\n\n\n<p>Stellen wir uns vor, wir stehen an der Lades\u00e4ule mit dem Stecker des E-Autos in der Hand. Im Netz flie\u00dft der aktuelle Strommix zu einem bestimmten Zeitpunkt mit seinen verschiedenen Anteilen (PV, Wind, Kohle, Gas, \u00d6l&#8230;). Dieser ist damit f\u00fcr eine bestimmte CO<sub>2<\/sub>-Emission verantwortlich. Die erneuerbaren Energien haben innerhalb dieses Strommixes einen bestimmten Anteil, der meist den maximal verf\u00fcgbaren Mengen regenerativen Stroms zu diesem Zeitpunkt entspricht. Wenn ich nunmehr das Auto zu laden beginne, kommt es zu einem erh\u00f6hten Energiebedarf, so dass vermehrt Kohle oder Gas verbrannt werden m\u00fcssen &#8211; da die Erneuerbaren ja bereits am Anschlag arbeiten. Der nunmehr verwendete Strommix nennt sich Grenzstrommix. Dieser hat einen h\u00f6heren Wert f\u00fcr die CO<sub>2<\/sub>-Emissionen, da der Anteil fossiler Energietr\u00e4ger jetzt im Prinzip h\u00f6her ist als zu dem Zeitpunkt, bevor der Stecker in die Ladestation gesteckt wurde. Soweit kann man dem Argument im offenen Brief an die EU folgen. Tats\u00e4chlich ist dieses Argument allerdings nicht neu und wird schon lange diskutiert.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Warum wird dann in vielen anderen Studien mit dem Emissionswert des durchschnittlichen deutschen Strommixes gerechnet, der ja einen Mittelwert \u00fcber lange Zeitr\u00e4ume und verschiedene Situationen darstellt? Daf\u00fcr gibt es gute Gr\u00fcnde.\u00a0<strong>Erstens<\/strong>: W\u00fcrde man dem oben beschriebenen Ansatz folgen, w\u00fcrde dieses Argument letztlich f\u00fcr jedes elektrische Ger\u00e4t gelten, das ich zu einem bestimmten Zeitpunkt zus\u00e4tzlich ins Netz bringe. Also auch f\u00fcr meinen Backofen oder W\u00e4schetrockner. Mit der oben gemachten Argumentation w\u00fcrde dann die groteske Situation entstehen, dass meinem Backofen ein anderer CO<sub>2<\/sub>-Emissionswert zugeordnet w\u00fcrde als meinem E-Auto, wenn ich beide zus\u00e4tzlich (oder gar noch gleichzeitig) ins Netz bringe. Das Argument des Grenzstrommixes ist nicht auf das E-Auto abgrenzbar.\u00a0<strong>Zweitens<\/strong>\u00a0beinhaltet der angenommene Emissionswert f\u00fcr den durchschnittlichen deutschen Strommix ja die Emissionen, die \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum f\u00fcr die Herstellung des Stromes gemittelt angefallen sind. Dabei wurden unz\u00e4hlige Situationen mit einer unterschiedlichen Anzahl von elektrischen Ger\u00e4ten im Netz bereits in die Ermittlung des Wertes einbezogen, also auch bereits meine Ladesituation. Es handelt sich also um einen Mittelwert der CO<sub>2<\/sub>-Emissionen f\u00fcr den Strommix und dieser Wert entspricht gerade nicht der aktuellen Situation vor dem Einstecken des E-Autos in die Steckdose. Damit ist auch der Aufschlag f\u00fcr den Grenzstrommix nicht auf den durchschnittlichen Strommix anwendbar, sondern m\u00fcsste jeweils auf den aktuellen Strommix erfolgen.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Zugleich zeigt die \u00dcberlegung der genannten Wissenschaftler noch einmal deutlich, dass&nbsp;<strong>die motorisierte Mobilit\u00e4t ihren Beitrag zur Klimaneutralit\u00e4t nur dann leisten kann, wenn ausreichend erneuerbarer Strom produziert wird.<\/strong>&nbsp;Dies spricht f\u00fcr einen maximalen Ausbau von Photovoltaik und Windkraft. Dies senkt kontinuierlich und dauerhaft die CO<sub>2<\/sub>-Emissionen, die mit der Stromherstellung in Deutschland verbunden sind. Und wenn ich gar die M\u00f6glichkeit habe, eine eigene PV-Anlage zu installieren und damit zus\u00e4tzliche Erzeugungskapazit\u00e4t zu generieren, mit der ich in der Folge mein Auto laden kann, w\u00e4re zumindest der Betrieb des E-Autos nahezu klimaneutral. Denn wenn ich der genannten Wissenschaftlergruppe folgen w\u00fcrde und in der einen Situation den schlechteren Grenzstrommix annehmen soll, so m\u00fcsste ich dann in dieser Situation die g\u00fcnstigste Variante anrechnen. Womit wir wieder bei der Situation w\u00e4ren, dass der Mittelwert und die Annahme des deutschen durchschnittlichen Strommixes eine gute Absch\u00e4tzung f\u00fcr die CO<sub>2<\/sub>-Emissionen der Elektromobilit\u00e4t ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Rande sei bemerkt, dass die genannte Wissenschaftlergruppe noch einen Alternativvorschlag gemacht hat. Das Beimischen synthetischer Kraftstoffe zu fossilen Brennstoffen w\u00fcrde unter Umst\u00e4nden dazu f\u00fchren, dass ein Verbrenner besser f\u00fcr das Klima sei als ein E-Auto. Angemerkt werden muss dabei die Tatsache, dass die Herstellung synthetischer Kraftstoffe (PtX, wir haben dar\u00fcber <a href=\"https:\/\/klimaandmore.de\/?p=1515\">berichtet<\/a>) noch sehr viel mehr erneuerbare Energie bedarf, um letztlich die gleiche Strecke zur\u00fcck zu legen. Details dazu finden sich <a href=\"https:\/\/www.oeko.de\/fileadmin\/oekodoc\/Impulspapier-soz-oek-Kriterien-e-fuels.pdf\">hier<\/a>. Und w\u00fcrde man den Argumenten der genannten Wissenschaftler folgen, dann m\u00fcsste man zur Berechnung der Klimabilanz synthetischer Kraftstoffe auch den Grenzstrommix verwenden, da es sich dabei um einen zus\u00e4tzlichen Bedarf handelt. Ganz offensichtlich wurde dies in der Betrachtung allerdings nicht gemacht. Ein Schelm, wer B\u00f6ses dabei denkt \u2026. Und genau genommen muss man dies auch ber\u00fccksichtigen, wenn die Kraftstoffe anderswo hergestellt werden, da derzeit kein Land der Erde einen \u00dcberschuss an erneuerbaren Energien hat.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fazit<\/strong>: Je mehr regenerativen Strom wir haben, um so eher wird die E-Mobilit\u00e4t in Richtung Klimaneutralit\u00e4t gehen. Mit dem Verbrennungsmotor ist diese M\u00f6glichkeit nicht gegeben &#8211; es sei denn, wir h\u00e4tten einen so hohen \u00dcberschuss an regenerativen Strom, dass wir uns die energieintensive Umwandlung in synthetische Kraftstoffe ohne Probleme leisten k\u00f6nnen. Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg und bis dahin wird an der Elektrifizierung der Mobilit\u00e4t wohl kaum ein Weg vorbeif\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Weitere Kommentare zu dem Brief an die EU-Kommission<\/strong> gibt es <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/meinung\/Verursachen-E-Autos-doppelt-so-viel-CO2-Ausstoss-wie-gedacht-Das-sagen-Experten-6116050.html\">hier<\/a> oder <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/wissen\/e-auto-klimabilanz-emissionen-streit100.html\">hier<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir hatten bereits in einem fr\u00fcheren Blogbeitrag dar\u00fcber geschrieben, wie die CO2-Bilanz eines E-Autos im Vergleich zu einem Verbrenner aussieht. Dabei haben wir versucht, die unterschiedliche Literatur und die verschiedenen Studien zu dieser Thematik zu erkl\u00e4ren. Dieser Tage hat diese Diskussion durch den Beitrag einer Gruppe von Wissenschaftlern neues Futter erhalten. 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