{"id":4273,"date":"2022-03-18T19:42:36","date_gmt":"2022-03-18T19:42:36","guid":{"rendered":"https:\/\/klimaandmore.de\/?p=4273"},"modified":"2022-09-04T20:41:07","modified_gmt":"2022-09-04T20:41:07","slug":"moore-teil-1-vorkommen-funktion-und-das-problem-der-entwaesserung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/klimaandmore.de\/?p=4273","title":{"rendered":"Moore Teil 1: Vorkommen, Funktion und das Problem der Entw\u00e4sserung"},"content":{"rendered":"\n<p>In zwei Blogbeitr\u00e4gen wollen wir uns einer <strong>nat\u00fcrlichen Treibhausgas-Senke<\/strong> widmen, den Mooren. Durch die Entw\u00e4sserung wurden und werden Moore allerdings zu einer Quelle von Treibhausgasen. Starten wir heute mit Informationen zur Entstehung, zum Vorkommen und zur Funktion von Mooren sowie dem Problem der Entw\u00e4sserung. Im zweiten Teil m\u00f6chten wir auf das Potential von wiedervern\u00e4ssten Mooren als effektive Treibhausgas-Senken eingehen und kl\u00e4ren, wie diese Wiedervern\u00e4ssung gelingen kann.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"212\" src=\"https:\/\/klimaandmore.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Moor-1024x212.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-4280\" srcset=\"https:\/\/klimaandmore.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Moor-1024x212.png 1024w, https:\/\/klimaandmore.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Moor-300x62.png 300w, https:\/\/klimaandmore.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Moor-768x159.png 768w, https:\/\/klimaandmore.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Moor-1536x317.png 1536w, https:\/\/klimaandmore.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Moor-2048x423.png 2048w\" sizes=\"(max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption><strong>Hochmoor<\/strong>\u00a0bei Oberstaufen.\u00a0 Fotos rechts: Sonja Sachse.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><strong>Was ist ein Moor \u00fcberhaupt und wie entsteht es?<\/strong>&nbsp;Moore sind nach der letzten Eiszeit entstanden. Als das Klima wieder w\u00e4rmer wurde, fielen viele Niederschl\u00e4ge und das Eis schmolz. Es kam zum Anstieg des Grundwasserspiegels. T\u00e4ler, Senken und Niederungen wurden \u00fcberflutet. Die Vegetation passte sich an, so dass sich in diesen feuchten Gebieten entsprechend feuchtigkeitsliebende Pflanzen entwickelten. Durch die \u00dcberflutung sanken alte Pflanzenreste unter die Wasseroberfl\u00e4che ab, verfaulten aber nicht, da kein Kontakt zur Luft bestand. Diese Bedingungen sorgten daf\u00fcr, dass der Zersetzungsprozess durch Mikroorganismen deutlich verlangsamt war. Die Pflanzenreste wurden somit als sogenannter Torf konserviert. Mit den Pflanzenresten wurde auch das durch die Photosysnthese in den Pflanzen fixierte CO<sub>2&nbsp;<\/sub>gespeichert \u2013 und das \u00fcber Jahrhunderte.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Moore lassen sich grundlegend in&nbsp;<strong>zwei Arten<\/strong>&nbsp;einteilen: die Niedermoore, die ihr Wasser aus aufgestautem Grundwasser, Fl\u00fcssen und Seen speisen. Sie zeichnen sich meist durch einen hohen N\u00e4hrstoffgehalt aus. Dem gegen\u00fcber werden Hochmoore ausschlie\u00dflich von Regenwasser gespeist. Sie entstehen dort, wo die Menge an regelm\u00e4\u00dfigen Niederschlag gr\u00f6\u00dfer ist als der Wasserverlust durch Verdunstung oder Abfluss. Sie sind eher n\u00e4hrstoffarm.&nbsp;Dar\u00fcber hinaus gibt es noch detaillierter Einteilung der Moore, die hier den Rahmen sprengen w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n<p>Moore \u00fcben&nbsp;<strong>vielf\u00e4ltige Funktionen<\/strong>&nbsp;aus. Zun\u00e4chst speichern sie Wasser. Sie verbessern die Wasserqualit\u00e4t, indem sie Schadstoffe aus dem Wasser filtern. Weiterhin k\u00f6nnen sie durch ihre Wasserspeicherkapazit\u00e4t vor Naturkatastrophen wie \u00dcberschwemmungen sch\u00fctzen. In hei\u00dfen Sommermonaten wirken Moore k\u00fchlend. W\u00e4hrend Hitzeperioden ist es \u00fcber Mooren 20 % k\u00fchler und deutlich weniger trocken als \u00fcber Ackerfl\u00e4chen. Auch tragen (naturbelassene) Moore positiv zur Biodiversit\u00e4t bei, da sich speziell angepasste Arten von Flora und Fauna etablieren k\u00f6nnen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Im Zuge der Diskussionen um den Klimawandel hat sich vor allem eine Funktion von Mooren als entscheidend herausgestellt: seine Funktion als&nbsp;<strong>Treibhausgas-Senke<\/strong>, denn die Menge fixierter Treibhausgase ist beachtlich. Weltweit bedecken Moore ca. 3% der Erdoberfl\u00e4che. Das entspricht einer Fl\u00e4che von etwa 400 Millionen Hektar, die wiederum in der Summe gut 500-600 Milliarden Tonnen (Gigatonen) Kohlenstoff gespeichert haben. Dies ist fast doppelt so viel wie in der Biomasse aller W\u00e4lder der Erde stecken, womit Moore im Vergleich zu anderen \u00d6kosystemen den h\u00f6chsten Beitrag zum Klimaschutz leisten. Deutschland umfasst 1,8 Millionen Hektar Moorboden, was 5,2 % der Landesfl\u00e4che ausmacht. Die gr\u00f6\u00dften Moorregionen befinden sich in Niedersachsen, in Mecklenburg-Vorpommern und im Alpenvorland.<\/p>\n\n\n\n<p>Da Moore schwer zu durchqueren sind und f\u00fcr die landwirtschaftliche Nutzung sowie auch als Baugrund ungeeignet erschienen, hat die Menschheit Mitte des 18. Jahrhunderts mit der <strong>Entw\u00e4sserung<\/strong> von Mooren begonnen. Moore wurden damit urbar gemacht. Diese Entw\u00e4sserung wird durch gezielt angelegte Entw\u00e4sserungsgr\u00e4ben erreicht, durch die das Wasser ablaufen kann.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Und nun wird unseren Leserinnen und Lesern wahrscheinlich sofort klar, welche wichtige Funktion der Moore dabei verloren geht: es kommt zum Verlust der CO<sub>2<\/sub>-Speicherfunktion. Bei der Entw\u00e4sserung n\u00e4mlich gelangt Sauerstoff an die obere Bodenschicht des Moorbodens. Sogleich beginnen aerobe Mikroorgansimen mit ihrer Arbeit, indem sie die alten Pflanzenreste, den Torf, zersetzen. Dabei sackt der Boden ab und Treibhausgase wie Kohlenstoffdioxid (CO<sub>2<\/sub>), Lachgas (N<sub>2<\/sub>O) und Methan (CH<sub>4<\/sub>) werden frei, die den Treibhauseffekt zus\u00e4tzlich anheizen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Weltweit gesehen sind etwas 15 % der Moore (50 Mio. Hektar) entw\u00e4ssert. Dies entspricht in etwa der Fl\u00e4che Spaniens. Diese geben in der Summe j\u00e4hrlich 2 Gigatonnen Treibhausgase ab. Global tr\u00e4gt die Entw\u00e4sserung von Mooren also zu 5 % der gesamten Treibhausgas-Emissionen bei. Mit anderen Worten: nur 0,3 % der Landfl\u00e4che tragen zu 5 % der Gesamt-Treihausgas-Emissionen bei. Die EU liegt als zweitgr\u00f6\u00dfter Emittent von Treibhausgasen aus trockengelegten Mooren (ca. 200 Millionen Tonnen Treibhausgase, etwa 5 % der gesamten EU-Emissionen) im Ranking direkt hinter Indonesien. In der EU wiederum ist Deutschland f\u00fchrend, \u00fcber 95 % der Moore sind in Deutschland entw\u00e4ssert. Dies entspricht einer Freisetzung von mehr als 50 Millionen Tonnen Treibhausgase j\u00e4hrlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit ist vollkommen klar: Um Moore wieder von einem Treibhausgas-Emittenten zu einer Treibhausgas-Senke umzuwandeln, m\u00fcssen zeitnah gro\u00dfe Moorfl\u00e4chen wiedervern\u00e4sst werden. In Teil 2 wollen wir besprechen, wie das gelingen kann, insbesondere in Anbetracht der Tatsache, dass entw\u00e4sserte Moorb\u00f6den die Existenz von u.a. Landwirten sichern&#8230;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In zwei Blogbeitr\u00e4gen wollen wir uns einer nat\u00fcrlichen Treibhausgas-Senke widmen, den Mooren. Durch die Entw\u00e4sserung wurden und werden Moore allerdings zu einer Quelle von Treibhausgasen. Starten wir heute mit Informationen zur Entstehung, zum Vorkommen und zur Funktion von Mooren sowie dem Problem der Entw\u00e4sserung. 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