{"id":4417,"date":"2022-09-04T20:39:57","date_gmt":"2022-09-04T20:39:57","guid":{"rendered":"https:\/\/klimaandmore.de\/?p=4417"},"modified":"2022-09-04T20:41:52","modified_gmt":"2022-09-04T20:41:52","slug":"moore-teil-2-moore-muessen-wieder-vernaesst-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/klimaandmore.de\/?p=4417","title":{"rendered":"Moore Teil 2:  Moore m\u00fcssen wieder vern\u00e4sst werden"},"content":{"rendered":"\n<p>Nach berufsbedingter Pause wollen wir nun endlich den zweiten Blogbeitrag zum Thema Moore ver\u00f6ffentlichen. Im <a href=\"https:\/\/klimaandmore.de\/?p=4273\">ersten Teil<\/a> hatten wir beschrieben, was Moore sind und wie sie entstehen und was das Problem der Entw\u00e4sserung ist. In diesem Beitrag wollen wir M\u00f6glichkeiten aufzeigen, wie eine <strong>Renaturierung von Moorfl\u00e4chen ohne Interessenskonflikt<\/strong> gelingen kann&#8230;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"498\" src=\"https:\/\/klimaandmore.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Entwaesserungsgraben-1024x498.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-4419\" srcset=\"https:\/\/klimaandmore.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Entwaesserungsgraben-1024x498.png 1024w, https:\/\/klimaandmore.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Entwaesserungsgraben-300x146.png 300w, https:\/\/klimaandmore.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Entwaesserungsgraben-768x374.png 768w, https:\/\/klimaandmore.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Entwaesserungsgraben-1536x747.png 1536w, https:\/\/klimaandmore.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Entwaesserungsgraben-2048x997.png 2048w\" sizes=\"(max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption><strong>Entw\u00e4sserung eines Moors in Norddeutschland.<\/strong> <strong>Links:<\/strong> Entw\u00e4sserungsgraben. <strong>Rechts:<\/strong> Im Vordergrund ein Entw\u00e4sserungsgraben. Im Hintergrund ein konventionell landwirtschaftlich bewirtschaftete ehemalige Moorfl\u00e4che.&nbsp;<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Um Moorfl\u00e4chen f\u00fcr die Landwirtschaft nutzbar zu machen, wurden viele Moore in der Vergangenheit entw\u00e4ssert und aus CO<sub>2<\/sub>&nbsp;Senken wurden Treibhausgasquellen. So sind z.B. 95% der Moorb\u00f6den in Deutschland entw\u00e4ssert, f\u00fcr die Land- und Forstwirtschaft, f\u00fcr Infrastrukturma\u00dfnahmen oder f\u00fcr den Torfabbau (fr\u00fcher als Brennstoff, sp\u00e4ter f\u00fcr Blumenerde und den Gartenbau). Emissionen aus Mooren&nbsp;machen in <a href=\"https:\/\/www.umweltbundesamt.de\/daten\/klima\/treibhausgas-emissionen-in-deutschland\/emissionen-der-landnutzung-aenderung#bedeutung-von-landnutzung-und-forstwirtschaft\">Deutschland<\/a> knapp 55 Millionen Tonnen Treibhausgase (CO<sub>2e<\/sub>) und damit in 2020 etwa 7,5 Prozent der gesamten Treibhausgas-Emissionen Deutschlands aus. Eine Renaturierung von Mooren ist daher ein wichtiger Beitrag f\u00fcr den Klimaschutz.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was bedeutet Renaturierung von Mooren?<\/strong>&nbsp;Im Wesentlichen bedeutet dies einen Stopp der Entw\u00e4sserung und eine nachhaltige Wiedervern\u00e4ssung. Die zur Entw\u00e4sserung angelegten Entw\u00e4sserungsgr\u00e4ben werden wieder zugesch\u00fcttet, um das Wasser in der Fl\u00e4che zu halten. Wasser kann auch gezielt zugef\u00fchrt werden. Der steigende Wasserspiegel sorgt dann daf\u00fcr, dass die Zersetzung organischen Materials beendet wird, da es keinen Luftzugang mehr gibt. Das organische Material wird praktisch unter Wasser versiegelt. \u00dcberl\u00e4sst man die wiedervern\u00e4sste Fl\u00e4che anschlie\u00dfend sich selbst, steigt auch die Biodiversit\u00e4t auf diesem Gebiet. Weiterhin wird die Bodenabsenkung gestoppt und durch die N\u00e4sse werden Moorbr\u00e4nde verhindert. So sackt der Boden eines entw\u00e4sserten Moores um ca. 1 cm pro Jahr ab, wohingegen ein nasses Moor im nat\u00fcrlichen Zustand um etwa 1 mm pro Jahr w\u00e4chst.<\/p>\n\n\n\n<p>Der eigentliche Vorgang der Wiedervern\u00e4ssung darf allerdings nicht zu schnell erfolgen. Der ganze Prozess erfordert eine aufwendige \u00dcberwachung und Regulation. In Deutschland sind seit den 1980er Jahren etwa 4% der trockengelegten Moore wieder vern\u00e4sst worden (70.000 Hektar), was deutlich zu wenig ist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zwei Varianten der Wiedervern\u00e4ssung und die damit verbundenen Schwierigkeiten wollen wir im Folgenden betrachten.&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Da w\u00e4re zun\u00e4chst die Variante,&nbsp;<strong>landwirtschaftlich genutztes Land aus der Nutzung zu nehmen<\/strong>, um es wieder zu vern\u00e4ssen. Das ganz offensichtliche Problem mit diesem Vorgehen ist, dass den Landwirten an diese Stelle Einkommen wegbricht. Es liegt also ein Problem der Verg\u00fctung f\u00fcr Landwirte vor. Notwendig w\u00e4re ein Verg\u00fctungssystem, bei dem auch die Pflege des Naturraums mit (staatlichen) Zahlungen verbunden ist. Dies w\u00e4re nur gerecht, da es ja auch im Interesse der Allgemeinheit ist, mehr Fl\u00e4chen in einen Natur-nahen Zustand zu \u00fcberf\u00fchren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Mit der Wiedervern\u00e4ssung ver\u00e4ndert sich auch das Emissionsverhalten des Landes. Die Freisetzung von Treibhausgasen wird relativ schnell beendet und nach einiger Zeit kann das Moor auch wieder zu einer Treibhausgassenke werden, d.h. es werden hier mehr Treibhausgase gebunden als freigesetzt. Damit ergibt sich dann auch die M\u00f6glichkeit, \u00fcber den Verkauf von Emissionsrechten Einnahmen zu generieren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>An dieser Stelle sollte eine weitere interessante Nutzung genannt werden: Das Aufstellen von Windr\u00e4dern oder PV-Freifl\u00e4chenanlagen auf wiedervern\u00e4ssten Moorb\u00f6den. Allerdings sind dabei <a href=\"https:\/\/www.klimareporter.de\/strom\/solarstrom-aus-wiedervernaessten-mooren\">einige Besonderheiten<\/a> zu beachten. Auch durch diese Nutzung k\u00f6nnten Einnahmen f\u00fcr die Landwirte geschaffen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>In der&nbsp;<strong>zweiten Variante<\/strong> werden die wiedervern\u00e4ssten Fl\u00e4chen nicht aus der Nutzung genommen, sondern es wird eine andere Form der Landwirtschaft betrieben. Beim Nutzen landwirtschaftlicher Fl\u00e4chen unter nassen Bedingungen spricht man auch von&nbsp;<strong>Paludikultur<\/strong>, abgeleitet vom lateinischen Wort&nbsp;<em>palus<\/em>, der Sumpf oder Morast.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Was k\u00f6nnte man z.B. bei uns in einer solchen Paludikultur anbauen? Beispielsweise&nbsp;<strong>Torfmoos<\/strong>&nbsp;als Ersatz f\u00fcr Torf im Pflanzmaterial im Gartenbau,&nbsp;<strong>Schilf<\/strong>&nbsp;und&nbsp;<strong>Rohrkolben<\/strong>&nbsp;als Baumaterial oder die&nbsp;<strong>Erle<\/strong>&nbsp;zur Holzproduktion. Auch Tiere k\u00f6nnen unter solchen Bedingungen gehalten werden, z.B.&nbsp;<strong>Wasserb\u00fcffel<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Schauen wir uns beispielhaft den Anbau von Rohrkolben an und betrachten den vielf\u00e4ltigen Nutzen. Durch die Wiedervern\u00e4ssung sinken einerseits die Emissionen aus dem Boden. Andererseits f\u00fchrt die Verwendung von Rohrkolben als D\u00e4mmmaterial zu einer verbesserten W\u00e4rmed\u00e4mmung eines vormals schlecht ged\u00e4mmten Geb\u00e4udes. Dies spart Heizenergie und -kosten, sowie CO<sub>2<\/sub>-Emissionen. Die verbaute Biomasse stellt au\u00dferdem einen zus\u00e4tzlichen Kohlenstoffspeicher f\u00fcr einen l\u00e4ngeren Zeitraum da.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Im Moment ist die Nachfrage nach Paludikulturen und \u2013 produkten noch so gering, dass diese Form der Landwirtschaft sich kaum selbst tr\u00e4gt. Daher m\u00fcssen <strong>politische Anreize <\/strong>geschaffen werden, damit sich die Paludikultur entwickeln und durchsetzen kann. Tats\u00e4chlich werden allerdings auf EU-Ebene derzeit noch entw\u00e4sserte Landwirtschaftsfl\u00e4chen subventioniert \u2013 also das komplette Gegenteil einer Paludikultur. Paludikulturen, auf denen landwirtschaftliche Nutzung betrieben wird, erhalten derzeit keine Direktzahlungen, w\u00e4hrend es f\u00fcr andere genutzte Fl\u00e4chen 281 Euro pro Hektar gibt. Nicht zu verachten ist auch die Tatsache, dass sich ehemalige Investitionen der Landwirte erstmal amortisieren m\u00fcssen. Wir sprechen dann von Pfadabh\u00e4ngigkeiten: Ein einmal eingeschlagener Weg kann nicht ohne weiteres aufgegeben werden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Und zu guter Letzt:&nbsp;<strong>Was kann jede\/r von uns tun, um Moore zu sch\u00fctzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>1. Beim Kauf von <strong>Pflanzerde<\/strong> darauf achten, dass diese ohne Verwendung von Torf hergestellt wurde (torf-frei). All zu leicht greift man hier zu einem Produkt, welches Torf enth\u00e4lt!&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>2. Auf Produkte verzichten, die Palm\u00f6l enthalten. <strong>Palm\u00f6l<\/strong> entstammt h\u00e4ufig Monokulturen, die auf entw\u00e4sserten Mooren in S\u00fcdostasien, insbesondere Indonesien, angelegt wurden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>3. Beim Thema &#8222;<strong>Kompensieren<\/strong>&#8220; von eigenen Emissionen auch mal an den Moorschutz denken.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vertiefende Literatur:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Joosten H (2022) Moor muss nass: Wiedervern\u00e4ssung vorantreiben, Torfabbau verhindern. In: Klaus Wiegandt (Hrsg.) 3 Grad mehr. Oekom M\u00fcnchen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Proff I und Furtak S (2022) Nasse Landwirtschaft, In: Spektrum der Wissenschaft 1\/22, S. 32-40<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.helmholtz-klima.de\/aktuelles\/wieso-sind-feuchtgebiete-so-wichtig-fuer-den-klimaschutz\">https:\/\/www.helmholtz-klima.de\/aktuelles\/wieso-sind-feuchtgebiete-so-wichtig-fuer-den-klimaschutz<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.fona.de\/de\/aktuelles\/nachrichten\/2022\/220202_princess.php\">https:\/\/www.fona.de\/de\/aktuelles\/nachrichten\/2022\/220202_princess.php<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach berufsbedingter Pause wollen wir nun endlich den zweiten Blogbeitrag zum Thema Moore ver\u00f6ffentlichen. Im ersten Teil hatten wir beschrieben, was Moore sind und wie sie entstehen und was das Problem der Entw\u00e4sserung ist. 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