Moore Teil 1: Vorkommen, Funktion und das Problem der Entwässerung

In zwei Blogbeiträgen wollen wir uns einer natürlichen Treibhausgas-Senke widmen, den Mooren. Durch die Entwässerung wurden und werden Moore allerdings zu einer Quelle von Treibhausgasen. Starten wir heute mit Informationen zur Entstehung, zum Vorkommen und zur Funktion von Mooren sowie dem Problem der Entwässerung. Im zweiten Teil möchten wir auf das Potential von wiedervernässten Mooren als effektive Treibhausgas-Senken eingehen und klären, wie diese Wiedervernässung gelingen kann. 

Hochmoor bei Oberstaufen.  Foto: Sonja Sachse.

Was ist ein Moor überhaupt und wie entsteht es? Moore sind nach der letzten Eiszeit entstanden. Als das Klima wieder wärmer wurde, fielen viele Niederschläge und das Eis schmolz. Es kam zum Anstieg des Grundwasserspiegels. Täler, Senken und Niederungen wurden überflutet. Die Vegetation passte sich an, so dass sich in diesen feuchten Gebieten entsprechend feuchtigkeitsliebende Pflanzen entwickelten. Durch die Überflutung sanken alte Pflanzenreste unter die Wasseroberfläche ab, verfaulten aber nicht, da kein Kontakt zur Luft bestand. Diese Bedingungen sorgten dafür, dass der Zersetzungsprozess durch Mikroorganismen deutlich verlangsamt war. Die Pflanzenreste wurden somit als sogenannter Torf konserviert. Mit den Pflanzenresten wurde auch das durch die Photosysnthese in den Pflanzen fixierte COgespeichert – und das über Jahrhunderte. 

Moore lassen sich grundlegend in zwei Arten einteilen: die Niedermoore, die ihr Wasser aus aufgestautem Grundwasser, Flüssen und Seen speisen. Sie zeichnen sich meist durch einen hohen Nährstoffgehalt aus. Dem gegenüber werden Hochmoore ausschließlich von Regenwasser gespeist. Sie entstehen dort, wo die Menge an regelmäßigen Niederschlag größer ist als der Wasserverlust durch Verdunstung oder Abfluss. Sie sind eher nährstoffarm. Darüber hinaus gibt es noch detaillierter Einteilung der Moore, die hier den Rahmen sprengen würden.

Moore üben vielfältige Funktionen aus. Zunächst speichern sie Wasser. Sie verbessern die Wasserqualität, indem sie Schadstoffe aus dem Wasser filtern. Weiterhin können sie durch ihre Wasserspeicherkapazität vor Naturkatastrophen wie Überschwemmungen schützen. In heißen Sommermonaten wirken Moore kühlend. Während Hitzeperioden ist es über Mooren 20 % kühler und deutlich weniger trocken als über Ackerflächen. Auch tragen (naturbelassene) Moore positiv zur Biodiversität bei, da sich speziell angepasste Arten von Flora und Fauna etablieren können. 

Im Zuge der Diskussionen um den Klimawandel hat sich vor allem eine Funktion von Mooren als entscheidend herausgestellt: seine Funktion als Treibhausgas-Senke, denn die Menge fixierter Treibhausgase ist beachtlich. Weltweit bedecken Moore ca. 3% der Erdoberfläche. Das entspricht einer Fläche von etwa 400 Millionen Hektar, die wiederum in der Summe gut 500-600 Milliarden Tonnen (Gigatonen) Kohlenstoff gespeichert haben. Dies ist fast doppelt so viel wie in der Biomasse aller Wälder der Erde stecken, womit Moore im Vergleich zu anderen Ökosystemen den höchsten Beitrag zum Klimaschutz leisten. Deutschland umfasst 1,8 Millionen Hektar Moorboden, was 5,2 % der Landesfläche ausmacht. Die größten Moorregionen befinden sich in Niedersachsen, in Mecklenburg-Vorpommern und im Alpenvorland.

Da Moore schwer zu durchqueren sind und für die landwirtschaftliche Nutzung sowie auch als Baugrund ungeeignet erschienen, hat die Menschheit Mitte des 18. Jahrhunderts mit der Entwässerung von Mooren begonnen. Moore wurden damit urbar gemacht. Diese Entwässerung wird durch gezielt angelegte Entwässerungsgräben erreicht, durch die das Wasser ablaufen kann. 

Und nun wird unseren Leserinnen und Lesern wahrscheinlich sofort klar, welche wichtige Funktion der Moore dabei verloren geht: es kommt zum Verlust der CO2-Speicherfunktion. Bei der Entwässerung nämlich gelangt Sauerstoff an die obere Bodenschicht des Moorbodens. Sogleich beginnen aerobe Mikroorgansimen mit ihrer Arbeit, indem sie die alten Pflanzenreste, den Torf, zersetzen. Dabei sackt der Boden ab und Treibhausgase wie Kohlenstoffdioxid (CO2), Lachgas (N2O) und Methan (CH4) werden frei, die den Treibhauseffekt zusätzlich anheizen. 

Weltweit gesehen sind etwas 15 % der Moore (50 Mio. Hektar) entwässert. Dies entspricht in etwa der Fläche Spaniens. Diese geben in der Summe jährlich 2 Gigatonnen Treibhausgase ab. Global trägt die Entwässerung von Mooren also zu 5 % der gesamten Treibhausgas-Emissionen bei. Mit anderen Worten: nur 0,3 % der Landfläche tragen zu 5 % der Gesamt-Treihausgas-Emissionen bei. Die EU liegt als zweitgrößter Emittent von Treibhausgasen aus trockengelegten Mooren (ca. 200 Millionen Tonnen Treibhausgase, etwa 5 % der gesamten EU-Emissionen) im Ranking direkt hinter Indonesien. In der EU wiederum ist Deutschland führend, über 95 % der Moore sind in Deutschland entwässert. Dies entspricht einer Freisetzung von mehr als 50 Millionen Tonnen Treibhausgase jährlich.

Damit ist vollkommen klar: Um Moore wieder von einem Treibhausgas-Emittenten zu einer Treibhausgas-Senke umzuwandeln, müssen zeitnah große Moorflächen wiedervernässt werden. In Teil 2 wollen wir besprechen, wie das gelingen kann, insbesondere in Anbetracht der Tatsache, dass entwässerte Moorböden die Existenz von u.a. Landwirten sichern….