Der Regenwald brennt – und was hat das mit uns zu tun?

Dieser Tage überschlagen sich die Meldungen in den Zeitungen und Onlinemedien. Große Flächen des Amazonas-Regenwaldes brennen. Dabei handelt es sich um Feuer, die mit großer Wahrscheinlichkeit durch Brandrodungen für neue Weide- und Ackerflächen entstanden sind. Der Amazonas-Regenwald wird auch als grüne Lunge der Welt bezeichnet und zeichnet sich darüber hinaus durch seine besonders hohe Artenvielfalt aus. Aufgrund dessen ist der Erhalt dieser Wälder für die ganze Welt von großer Wichtigkeit und der Aufschrei ob dieser Brände groß. Aber wer ist eigentlich für die Zerstörung des Regenwalds verantwortlich (wenn wir mal von den eigentlichen Brandstiftern absehen) und was kann man auf individueller Ebene dagegen tun? Damit wollen wir uns heute beschäftigen …

Die Einzigartigkeit des Regenwaldes am Amazonas in Brasilien und seinen umgebenden Ländern wurde erst kürzlich von Greenpeace hervorgehoben. Allein in dieser Region sind etwa 10% der Säugetierarten und 15% aller bekannten Pflanzenarten der Erde zu finden. Wenn wir also über Biodiversität reden, hier ist sie besonders ausgeprägt. Zudem stellt der Regenwald einen großen CO2-Speicher dar, indem er Kohlenstoff in Pflanzen und Böden einbaut. 

Das Muster der Vernichtung des Regenwaldes in Brasilien und seinen Nachbarländern, insbesondere Argentinien, Paraguay und Bolivien ist immer das gleiche. Zuerst werden aus dem Regenwald die großen und wertvollen Bäume entnommen und beispielsweise für die Möbelindustrie verwendet. Auch in manchen unserer Grill-Holzkohlen befindet sich übrigens Holz aus dem Regenwald. Die dann minderqualitativen Flächen werden durch Brandrodung in Weideland überführt, sodass auf diesen Flächen für einige Jahre Tiere weiden. Der überwiegende Teil des Fleisches dieser Tiere geht in den Export, gleiches gilt für das Leder. Anschließend werden diese Weideflächen in Ackerfläche überführt, sodass folglich im großen Maßstab insbesondere Sojabohnen produziert werden. Aus den Sojabohnen kann Sojaöl gewonnen werden, zurück bleibt Sojaschrot. Auch Baumplantagen werden angelegt, beispielsweise zur Herstellung von Zellstoff, ein wichtiger Rohstoff für die Papierproduktion. Teilweise wird das Anlegen diese Plantagen als Wiederaufforstung ausgegeben, worüber wir bereits berichteten.

Zuletzt hat Brasilien 96 Millionen Tonnen Sojabohnen pro Jahr produziert. Ein Großteil davon wurde als Bohnen oder Schrot nach China exportiert, etwa ein Drittel ging allerdings auch in die Europäische Union. Der Export von Fleisch- und Sojaprodukten – wobei hierunter insbesondere die Futtermittel fallen – ist also eine der Triebfedern für das Abholzen des Regenwaldes in Brasilien. Ähnliches gilt übrigens auch für die Abholzung der Regenwälder in Asien, zum Beispiel in Indonesien, allerdings ist hier das überwiegende Exportprodukt das Palmöl. Den Einsatz von Palmöl werden wir in einem extra Blogbeitrag nochmal gesondert betrachten.

Und damit kommen wir zu unserem Beitrag zur Abholzung der Regenwälder in Südamerika. Allein Deutschland hat in 2016 ca. 6,5 Millionen Tonnen Sojabohnen und Sojaschrot aus Südamerika importiert. Die Lieferketten wurden erst zuletzt in einem Report dargestellt, der sich der Sojaproduktion in Argentinien und Paraguay gewidmet hat. Ohne diese Zufuhr von Soja aus Südamerika wäre die Massentierhaltung in Deutschland kaum vorstellbar. Etwa ein Drittel des Futtermittelbedarfes für Schweine, Geflügel und Rinder in deutschen Ställen wird durch Soja aus Südamerika gedeckt, was eine Studie des WWF zeigt. Nur so ist die Produktion günstigen Fleisches nicht nur für den deutschen Markt, sondern auch für den Export deutschen Fleisches in das Ausland möglich. Und nur so kann der stark gewachsene Appetit der Deutschen auf Fleisch- und Wurstwaren zu annehmbaren Preisen befriedigt werden. So essen die Deutschen im Schnitt etwas mehr 1 kg Fleisch- und Wurstwaren pro Woche und damit doppelt soviel wie vor 100 Jahren. Nach einer Studie des WWF wird vermutlich ein geringer Anteil von ca. 6% des importierten Sojas, ca. 0,4 Millionen Tonnen pro Jahr, auch in der Milchwirtschaft als Tierfutter verwendet. 

Wenn man jetzt also fragt, was jeder von uns tun kann, um den Regenwald zu schützen, so ist an erster Stelle die Reduktion oder gar der Verzicht tierischer Produkte wie Fleisch- und Wurstwaren aus Massentierhaltung aufzuführen. Wer nicht auf Fleisch- oder Milchprodukte verzichten möchte, sollte auf zertifizierte Bio-Ware zurückgreifen. Informationen zu den dabei verwendeten Gütesiegeln findet ihr hier in einer Übersicht des WWF, in welcher neben anderen Kriterien auch die eingesetzten Futtermittel festgesetzt sind. Importierte Futtermittel zur Produktion der Bio-Lebensmittel sind dabei je nach Label ausgeschlossen. 

Abschließend noch ein Wort zur veganen Ernährung, die auch auf Sojaprodukten, wie beispielsweise Tofu, beruhen kann. Ist denn nun auch durch eine vegane Ernährung der Regenwald bedroht? Diese Frage ist eher zu verneinen. Erstens, weil für die Futtermittelproduktion in Südamerika zumeist gentechnisch verändertes Soja verwendet wird, welches bei uns nicht als Lebensmittel zugelassen ist. Zweitens wird das für Lebensmittel verwendete Soja zumeist in Südeuropa angebaut. 

Eine Besinnung auf alte und längst vergangene Rituale könnte ein Ausweg aus dem Regenwald-Abholz-Dilemma sein: Lediglich einmal die Woche liegt Fleisch oder Wurst auf dem Teller. Wenn alleine in Deutschland jede und jeder sich daran orientieren würde (wenn man nicht sowieso schon Vegetarier oder gar Veganer ist), wäre dem Urwald in Südamerika und damit unserer aller Zukunft schon sehr geholfen. 

Schreibe einen Kommentar